Wegen des Verdachts, ein zwölfjähriges Mädchen monatelang wiederholt missbraucht und vergewaltigt haben, müssen sich in der Stadt Chennai 17 Männer vor Gericht verantworten. Das berichtet die britische Zeitung The Guardian. Die Angeklagten sind nach Angaben der indischen Polizei zwischen 23 und 66 Jahren alt. 

Unter den Beschuldigten seien Sicherheitsmänner, Aufzugführer und Klempner, die im selben Gebäudekomplex arbeiteten, in dem das junge Mädchen wohnte. Nach Polizeiinformationen verabreichten die Männer der Zwölfjährigen Betäubungsmittel und missbrauchten sie anschließend in verschiedenen leerstehenden Räumen des Gebäudes. Die erste Vergewaltigung soll im Januar dieses Jahres stattgefunden haben. Den Berichten lokaler Medien zufolge hatten die Männer dem Mädchen gedroht, Videos der Vergewaltigungen zu veröffentlichen, falls es sie verraten sollte. Am vergangenen Samstag soll die Zwölfjährige ihrer Familie von den Übergriffen erzählt haben, die daraufhin Klage einreichte. Am Montag seien die Verdächtigen verhaftet worden. Sie sind der Vergewaltigung und des versuchten Mordes angeklagt. Nach Angaben der Hindustan Times teilte der Anwaltsverband des Gerichts in Chennai mit, dass kein Verteidiger für die Angeklagten eingesetzt werde.

40.000 Vergewaltigungen in einem Jahr

Für das Jahr 2016 veröffentliche das National Crime Records Bureau, eine indische Regierungsbehörde, die für die Erfassung und Analyse von Kriminalitätsdaten zuständig ist, Zahlen zu Vergewaltigungen: Demnach wurden knapp 40.000 Fälle gemeldet. Jeden Tag wurden mehr als 100 Frauen vergewaltigt. Durchschnittlich waren täglich sechs Vergewaltigungsopfer jünger als zwölf Jahre. Mittlerweile steht in Indien die Todesstrafe auf Vergewaltigungen von Kindern unter zwölf Jahren.

Ein im Juni veröffentlichter Bericht der Thomson Reuters Foundation sieht Indien als das Land der Erde, das am wenigsten sicher für Frauen ist. Auf Platz zwei und drei folgen Afghanistan und Syrien.