Markus Kerber hat sich Großes vorgenommen. Der Staatsminister im Bundesinnenministerium will die Deutsche Islam Konferenz (DIK) neu aufstellen. Ziel der neuen Runde der DIK soll laut Kerber sein, dass Muslime in Deutschland sich darüber verständigen, was "deutscher Islam" ist.

Von Herbst an soll das Gremium wieder tagen, dann aber nicht wie zuletzt nur mit Vertretern von Islamverbänden, sondern auch wieder mit einzelnen Muslimen. Diese sollen sogar ein größeres Gewicht in der Konferenz bekommen. Über die Neuordnung wird in den sozialen Netzwerken viel diskutiert und spekuliert. Muslime aus den Islamverbänden und auch die, die keiner Gruppe angehören, schließen sogar Wetten darüber ab, wer denn alles eine Einladung nach Berlin erhalten wird.

Doch egal wie die Gruppe am Ende zusammengesetzt sein wird, Kerbers Zielvorgabe, sich auf einen deutschen Islam zu einigen, wird sie kaum erfüllen. Auch wenn sich die deutschen Behörden und die deutsche Politik das noch so sehr und aus guten Gründen wünschen.  

Die Probleme beginnen schon damit, wer da etwas verlangt, nämlich der Staat selbst. Insbesondere Islamverbände und dogmatische Musliminnen und Muslime deuten das als Einmischung in religiöse Angelegenheiten. Ali Kızılkaya vom Islamrat beispielsweise kommentierte Kerbers Pläne so: "Zweimal Islam mit Salami und Vorderschinken ohne Knoblauch. Dazu noch zwei Weizen, bitte! Innenministerium bestellt Islam nach Wunsch. Was für eine Anmaßung."

Noch schwerer wird es, weil es nicht irgendein Ministerium ist, das zur Islamkonferenz einlädt, sondern das Haus von Horst Seehofer. Jener Bundesinnenminister also, der in einer seiner ersten Ansprachen nach der Amtsübernahme erklärte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland

Widersprüchliches Verständnis des Islam

Zu diesen problematischen Umständen auf politischer Seite kommen die Hindernisse bei den Muslimen selbst. Das erste ist, dass der Islam an sich von der Vielfalt seiner Auslegungen lebt und sich eben nicht auf eine allein gültige Variante reduzieren lässt. Anders als beispielsweise bei der römisch-katholischen Kirche gibt es eben keine Institution, die Mitglieder registriert und als zentrale theologische Instanz funktioniert.    

Mit der Islamkonferenz kennt sich Markus Kerber aus. Als vor zwölf Jahren der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dieses Gremium initiierte, war Kerber es, der mit der Organisation befasst war. Aus den Erfahrungen dieser Zeit müsste er eigentlich wissen, dass sein Vorhaben scheitern wird.

Unter den Muslimen in Deutschland ist die Vielfalt und damit die Widersprüchlichkeit des jeweiligen Islamverständnisses sogar noch größer als anderswo, weil ein Großteil der Muslime hier aus unterschiedlichen Teilen der Welt stammt und seinen Glauben nach den Traditionen der jeweiligen Herkunft praktiziert. Die sind beispielsweise in Pakistan anders als in Marokko, in Indonesien anders als in der Türkei und im Iran anders als in Bosnien. Und so gibt es Deutschland eine muslimische Vielfalt und zig Communitys mit jeweils voneinander abweichendem Islamverständnis.   

Die vergangenen zwölf Jahre haben gezeigt, was das für ein Projekt wie die Deutsche Islam Konferenz bedeutet. Schon zum Auftakt gab es Kritik an der Zusammensetzung des Gremiums, vor allem an der Teilnahme von Einzelpersonen wie etwa der Soziologin Necla Kelek und der Juristin Seyran Ateş. Verbandsfunktionäre monierten, dass ausgerechnet die Personen, die ihrer Ansicht nach nichts anderes machen als Islam-Bashing, über die Belange von Muslimen in Deutschland mitdiskutieren durften.

Auf der anderen Seite gab und gibt es auch Kritik an der zentralen Rolle, die das Innenministerium den Islamverbänden zugestand und weiterhin zugesteht: Ihnen werde so weitaus mehr Bedeutung verliehen, als sie eigentlich hätten. ln der Tat vertreten diese Verbände, anders, als sie den Eindruck erwecken, keineswegs die Mehrheit der Muslime in Deutschland, sondern gerade mal 15 bis 20 Prozent.