Japan - Sektenmitglieder wegen Attentat hingerichtet Die japanische Aum-Sekte hatte 1995 in einer U-Bahn in Tokio 13 Menschen mit Nervengas getötet. Jetzt wurden sieben verurteilte Mitglieder erhängt. © Foto: Jun Hirata/Kyodo News/dpa

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem tödlichen Giftgasanschlag auf die U-Bahn in Tokio ist der Chef der Aum-Sekte, Shōkō Asahara, hingerichtet worden. Regierungssprecher Yoshihide Suga bestätigte Medienberichte, wonach der langjährige Todestraktinsasse am Freitag gehängt worden ist. Meldungen über sechs ebenfalls hingerichtete Anhänger Asaharas bestätigte Suga zunächst nicht.

Asahara war Gründer der Sekte Aum Shinrikyo, die an den Weltuntergang glaubt. Deren Mitglieder hatten am 20. März 1995 zur Zeit des morgendlichen Berufsverkehrs direkt unter dem Regierungsviertel der japanischen Hauptstadt in mehreren Zügen Plastiktüten mit Sarin aufgestochen und so das tödliche Nervengas freigesetzt. 13 Menschen starben, mehr als 6.000 wurden verletzt.

Mit dem Anschlag wollte die Sekte eine geplante Polizeirazzia gegen ihr Hauptquartier am Fuße des heiligen Berges Fuji verhindern. Mehr als 190 Aum-Mitgliedern wurde der Prozess gemacht. Drahtzieher Asahara und zwölf weitere Männer wurden zum Tode verurteilt. Im Januar dieses Jahres wurde das letzte Gerichtsverfahren gegen Mitglieder der Sekte abgeschlossen.

Asahara wurde 63 Jahre alt; er saß seit mehr als einem Jahrzehnt im Todestrakt. Experten hatten in der Vergangenheit gewarnt, dass Exekutionen die Täter in den Augen ihrer Anhänger zu Märtyrern machen könnten. Japan, die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt, gehört zu den wenigen Industrieländern, die die Todesstrafe haben.

Waffenlager angesammelt

Asahara, der den bürgerlichen Namen Chizuo Matsumoto trug, hatte die Sekte 1984 gegründet. Im Zentrum der Lehre des halbblinden, bärtigen Gurus mit der Zottelfrisur stand eine angebliche Apokalypse, die in einer Konfrontation mit der Regierung münden würde. Viele junge Menschen fühlten sich von der Weltuntergangssekte angezogen – darunter Absolventen von Eliteuniversitäten, die Asahara als Minister seines fiktiven Aum-Imperiums in seinen innersten Zirkel holte. Die Jünger beteten ihn an und befolgten seine Befehle. 

In dessen Bann gerieten Menschen, die vom materialistischen Leben im modernen Japan ernüchtert waren. Sektenführer Asahara bediente sich für seine Lehren an Elementen des Hinduismus, Buddhismus, Christentums und Yoga. Seine Anhänger ließ er bizarre Rituale vollführen. Dazu gehörte etwa das Trinken von Wasser, in dem der Guru zuvor gebadet hatte. Seine Jünger trugen außerdem elektrisch aufgeladene Kappen, die ihre Gehirnwellen mit jenen Asaharas synchronisieren sollten. 

Im Laufe der Zeit häufte Aum Shinrikyo ein Arsenal an Chemie-, Bio- und konventionellen Waffen an, um kriminelle Befehle Asaharas auszuführen. Die U-Bahn-Attacke im März 1995 war der größte Anschlag der Sekte.