Der neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, fordert ein strengeres Vorgehen gegen politisch motivierte Gewalt. "Wir sollten überlegen, Körperverletzung, die aus dem Motiv des politischen Hasses heraus begangen wurde, schärfer als üblich zu bestrafen", sagte Klein der Welt am Sonntag. Auch gegen antisemitisch motiviertes Mobbing an Schulen seien Schritte erforderlich. Dieses dürfe "nicht mehr vertuscht werden". 

Der Regierungsbeauftragte verlangte, die Abwehr von Antisemitismus und Rassismus zum Gegenstand der Lehrerausbildung zu machen. "Das sollte sogar Prüfungsgegenstand sein", fügte Klein hinzu. Antisemitische Straftaten durch Muslime seien seit der Flüchtlingskrise nicht angestiegen, betonte er. Dennoch müsse auch gegen entsprechende Haltungen in diesen Kreisen vorgegangen werden.

Klein kündigte Gespräche mit der türkischen Regierung über das Entsendeprinzip der Imame an. "Wir müssen darauf achten und gegebenenfalls auch überprüfen, dass alle in Deutschland tätigen Imame für die Völkerverständigung und gegen Antisemitismus eingestellt sind." Übergriffe und Mobbing an Schulen führten in den vergangenen Monaten zu Sorgen unter Deutschlands Juden.

Am Mittwoch hatte sich in Bonn ein Übergriff auf einen jüdischen Wissenschaftler aus den USA ereignet. Jitzchak Jochanan Melamed von der Universität Baltimore sei von einem 20-jährigen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln antisemitisch attackiert worden. Melamed wirft den einschreitenden Polizeibeamten vor, sie hätten stattdessen ihn überwältigt, gefesselt und geschlagen. Das nordrhein-westfälische Innenministerium und die Polizei räumten den Irrtum ein und entschuldigten sich.