Der Kapitän des Rettungsschiffs Lifeline, das auf Malta liegt, darf nach Angaben der Hilfsorganisation Mission Lifeline nach Deutschland ausreisen. Der Deutsche Claus-Peter Reisch hatte vor Gericht einen Ausreiseantrag gestellt, um Medienberichten zufolge seine betagte Mutter für ein paar Tage in Deutschland zu besuchen. Dem Antrag sei nun stattgegeben worden. Ab dem 16. Juli darf Reisch  demnach die Mittelmeerinsel Malta verlassen.

Das Gericht in der maltesischen Hauptstadt Valletta habe entschieden, die Ausreisesperre gegen Claus-Peter Reisch aufzuheben, sagte Axel Steier, Mitgründer der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline. Zur Fortführung der Gerichtsverhandlungen am 30. Juli müsse er jedoch wieder auf Malta sein. Neil Falzon, der Anwalt von Reisch, sagte, der Kapitän werde kurz vor der Anhörung nach Malta zurückkehren.

Die Lifeline der Dresdner Hilfsorganisation war fast eine Woche ohne Ziel auf dem Meer gekreuzt, nachdem sie mehr als 230 schiffbrüchige Migrantinnen und Migranten vor Libyen gerettet hatte. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte im Juni privaten Seenotrettungshelfern untersagt, in italienischen Häfen festzumachen. Das deutsche Rettungsschiff Lifeline mit 234 aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord befand sich deshalb auf einer tagelangen Irrfahrt im Mittelmeer. Erst nach der Vereinbarung, dass die Geflüchteten unter EU-Ländern aufgeteilt werden, erlaubte Malta Ende Juni die Einfahrt in einen Hafen. Dort wurde es beschlagnahmt und der Kapitän vor Gericht gestellt.

Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Weniger Menschen flüchten in die EU, dennoch fordern Politiker verschärfte Maßnahmen an den Grenzen. Flüchtlingshelfer warnen vor noch mehr Toten. Ein Überblick im Video © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty

Reisch wird vorgeworfen, dass er das Schiff ohne ordnungsgemäße Registrierung in maltesische Gewässer gesteuert habe. Er ist in Malta zwar auf freiem Fuß, durfte die Insel aber bisher nicht verlassen.

Aktuell verweigert Salvini einem Schiff der italienischen Küstenwache mit Flüchtlingen an Bord das Anlegen in Italien. Er forderte Garantien, bevor die Diciotti mit 67 Flüchtlingen an Bord einlaufen dürfe. Medienberichten zufolge soll das Schiff nun die Erlaubnis erhalten haben, Donnerstagmorgen den Hafen im sizilianischen Trapani anzulaufen.