Das Rettungsschiff Astral einer spanischen Hilfsorganisation mit einer geretteten Migrantin und zwei Leichen an Bord wird am Samstag auf Mallorca erwartet. Italiens rechte Regierung hatte der NGO Proactiva Open Arms zuvor zwar einen Hafen zum Anlanden zugewiesen – allerdings nur angeboten, sich um die Überlebende, nicht aber um die Toten der Flucht über das Mittelmeer zu kümmern. Daraufhin entschied Proactiva, Spanien anzusteuern. 

Weil die Fahrt nach Mallorca wesentlich kürzer sei als die zum Festland, habe die Regierung der Balearen Unterstützung angeboten, berichtete das Inselradio Mallorca. Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol kündigte auf Twitter Hilfe und Solidarität für die Überlebende aus Kamerun und die Helfer an. "Es darf weder Gleichgültigkeit geben noch dürfen wir in die andere Richtung schauen. Lasst uns jetzt handeln!", schrieb die Politikerin.

Proactiva geht davon aus, dass die libysche Küstenwache die drei Flüchtlinge nach einer Rettung im Meer zurückgelassen hat, weil sie sich geweigert hatten, nach Libyen zurückgebracht zu werden. Der spanische Basketballstar Marc Gasol, der bei der Rettungsaktion mit an Bord war, sagte der spanischen Zeitung El País, die Retter hätten ein Gespräch zwischen einem libyschen Patrouillenboot und einem Handelsschiff namens Triades mitgehört.

Das Patrouillenboot soll demnach Schiffbrüchige nach Libyen zurückgebracht und zuvor das Boot zerstört haben, in dem die Migranten zwei Tage und zwei Nächte verbracht hatten. Allerdings hätten die Libyer mindestens drei Personen in dem Wrack zurückgelassen.

Die Retter der Astral entdeckten die Überlebende und die beiden Leichen – eine Frau und ein Kind – inmitten der zerstörten Überreste ihres Plastikbootes. Gasol zeigte sich entsetzt: Die drei Migranten seien in einer "unmöglichen Situation" zurückgelassen worden. Die libysche Küstenwache habe "unmenschlich und kriminell" gehandelt, er selbst verspüre große Wut und Hilflosigkeit, sagte der Sportler.