Das Bundesinnenministerium will die vor zwölf Jahren ins Leben gerufene Islamkonferenz erneuern. In Zukunft werde es voraussichtlich keine festen Mitgliedschaften in dem Forum mehr geben, kündigte eine Ministeriumssprecherin an. Vielmehr solle die Zusammensetzung vom Thema abhängen.

"Wir müssen viel stärker als bisher die Vielzahl der in Deutschland noch nicht organisierten muslimischen Mitbürger in das Zentrum unserer Islamkonferenz stellen", sagte Innenstaatssekretär Markus Kerber der Bild. Nach der Sommerpause sollen demnach auch wieder Einzelpersonen zur Konferenz zugelassen werden.

Die Islamkonferenz war 2006 von dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einberufen worden, um die Beziehungen zwischen dem deutschen Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen zu intensivieren.

Liberale Muslime fühlen sich nicht vertreten

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an dem Format gegeben. Zum Ende wurden meist nur noch Vertreter von muslimischen Verbänden wie Millî Görüş und DITIB eingeladen. Diese sind jedoch konservativ geprägt. Einzelpersonen oder weniger bekannte Verbände, die die liberalen Muslime vertreten, fühlten sich hintergangen. Im März erklärten säkulare Migrantenverbände die Islamkonferenz sogar für gescheitert, sollte sie nicht reformiert werden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), teilte mit: "Wichtig ist, dass auch junge Muslime und Frauen eine Stimme in der Deutschen Islamkonferenz erhalten." Es müsse die Vertretung aller Muslime in Deutschland gewährleistet sein.

Auch die SPD begrüßte das Vorhaben: "Nach über zehn Jahren ist es richtig, über Struktur und Inhalt der Islamkonferenz nachzudenken", sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl, dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Ziel muss es sein, mit den deutschen Muslimen eine zukunftsorientierte Debatte über die Rolle des Islam zu führen."