Der als NSU-Helfer verurteilte frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben ist wieder frei. Wie das Oberlandesgericht München mitteilte, wurde der Haftbefehl gegen Wohlleben am Dienstag auf Antrag seiner Verteidiger mit Zustimmung der Bundesanwaltschaft aufgehoben. Zur Begründung hieß es, dass keine Fluchtgefahr bestehe. Wohlleben habe die Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München bereits verlassen, sagte eine Sprecherin des Gefängnisses.

Mit der Freilassung folgte das Gericht der Einschätzung des Generalbundesanwalts in Karlsruhe, der eine Gefängnisstrafe für Wohlleben für nicht mehr erforderlich hielt. "Der Haftbefehl war nach den gesetzlichen Vorschriften aufzuheben, weil nach aktuellem Verfahrensstand keine Gefahr mehr besteht, dass sich der Angeklagte dem Verfahren durch Flucht entziehen könnte", teilte das Gericht mit. "Die verbleibende Straferwartung ist daher im konkreten Fall nicht mehr so hoch, um einen erhöhten Fluchtanreiz zu begründen." Damit liege derzeit kein Haftgrund mehr vor.

Im NSU-Prozess war Wohlleben am vergangenen Mittwoch zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Wohlleben saß bereits sechs Jahre und acht Monate in Untersuchungshaft, muss also höchstens noch drei Jahre und vier Monate im Gefängnis verbringen.

Wohllebens Verteidiger wollen das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen. Bei dieser Revision wird die Beweisaufnahme nicht wiederholt, sondern nur geprüft, ob die Beweise und Indizien gegen die Tatverdächtigen korrekt in das Urteil eingeflossen sind und ob das Gerichtsverfahren ordentlich geführt wurde. Die Erfolgsaussichten sind gering.

Das Oberlandesgericht hatte Wohlleben der Beihilfe zum Mord schuldig gesprochen. Die Bundesanwaltschaft hatte dem ehemaligen NPD-Funktionär vorgeworfen, die NSU-Mordwaffe vom Typ Česká organisiert zu haben – und er habe gewusst, wofür die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sie benutzen wollten. Wohlleben hatte das stets bestritten. Er habe dem eigentlichen Überbringer der Waffe nur auf Nachfrage einen Tipp gegeben. Die Anklage hatte für Wohlleben zwölf Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen gefordert. Seine Verteidiger bezeichneten ihn als unschuldig und forderten Freispruch.