Für ihre Protestaktion beim Finale der Fußballweltmeisterschaft in Moskau müssen vier Mitglieder der Gruppe Pussy Riot in Haft. Veronika Nikulschina, Olga Kuratschewa und Pjotr Wersilow müssen 15 Tage in Polizeigewahrsam bleiben, entschied ein Moskauer Gericht am Montag. Auch die beteiligte Aktivistin Olga Pachtusowa wurde verurteilt. Die Frauen dürfen zudem drei Jahre lang keine Sportveranstaltungen besuchen.

Das Gericht warf den Aktivistinnen laut dem Nachrichtenportal Mediazona vor, "die Regeln für das Verhalten von Zuschauern grob verletzt" zu haben. Daher seien sie zur Höchststrafe für dieses Vergehen verurteilt worden. Pussy Riot bestätigten auf Facebook die Urteile. "Ich wollte aufzeigen, wie ungleich die Machtstrukturen angewendet werden", sagte eine der Verurteilten der Agentur Interfax zufolge während der Verhandlung. 

Protest in Polizeiuniform

Die vier Pussy-Riot-Mitglieder waren während des Endspiels zwischen Frankreich und Kroatien am Sonntag in falschen Polizeiuniformen auf das Spielfeld gerannt. Die Partie musste kurz unterbrochen werden. Sicherheitskräfte schleiften die vier Aktivisten vom Feld, diese leisteten keinen Widerstand. Während der Aktion war auch Russlands Staatschef Wladimir Putin im Stadion anwesend.

Pussy Riot bekannten sich in sozialen Medien zur Flitzeraktion. Die Mitglieder wollten nach eigenen Angaben für die Meinungsfreiheit und gegen die Fifa demonstrieren. Sie werfen dem Weltfußballverband eine freundschaftliche Nähe zu Staatschefs vor, die ihre Bevölkerung unterdrückten und die Menschenrechte verletzten. Zugleich stellte die Gruppe mehrere Forderungen. Sie will ein Ende von Festnahmen bei friedlichen Protesten. Politischer Wettbewerb müsse im Land erlaubt werden. Sie forderte außerdem die Freilassung aller politischen Gefangenen.

Die Punkrock-Band ist vor allem für eine Protestaktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale im Jahr 2012 bekannt: Dort hatten sie ein "Punk-Gebet" aufgeführt, in dem sie Staatschef Wladimir Putin offen kritisierten. Wegen "Rowdytums" und "Aufwiegelung zu religiösem Hass" wurden drei Bandmitglieder zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. Bei Jekaterina Samuzewitsch wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt, Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina kamen nach 22 Monaten frei.