Durch den Frühstücksraum eines thailändischen Hotels schallt eine kraftvolle Stimme. Sie stammt von einem Hünen, die Ärmel seines Taucheranzugs baumeln herunter. Er erzählt von seinem Rettungseinsatz in der Tham-Luang-Höhle: "Ich habe den Jungen mit beiden Händen gegen meine Brust gehalten, aber einige Stellen waren wirklich sehr eng." Der Taucher ist ein Soldat der australischen Streitkräfte. Er war es, der in seinen Armen einen der jungen Fußballspieler aus der pechschwarzen Dunkelheit der Höhle befreite. Dafür brauchte er viele Stunden. Ein Taucherkollege war dabei, er trug die Pressluftflasche, die den Jungen mit Luft versorgte. Jetzt sitzt auch er im Frühstücksraum, seine Füße sind mit gelben Flecken von Desinfektionsmittel bedeckt – beim Tauchgang in der Dunkelheit und in trübem Wasser hatte er sich am scharfen Gestein der Höhle die Füße zerschnitten. Beide australischen Taucher wollen ihre Namen nicht nennen.

Allzu lange wollen sich die Taucher nicht in dem Hotel ausruhen. Es ist acht Uhr morgens, um 11 Uhr soll der nächste Tauchgang starten, um weitere vier Jungen der zu dem Zeitpunkt noch acht eingeschlossenen Kinder zu holen. Die beiden Taucher steigen in die Fahrzeuge, die sie zum Eingang der Höhle bringen sollen. Dort treffen sie auf die anderen Retter. Allein zu dem Hilfsteam aus Australien gehören 19 Menschen. Aus vielen anderen Ländern sind weitere 50 Taucher gekommen. Zudem hat das thailändische Militär 40 Soldaten der Eliteeinheit Navy Seals geschickt.

In Thailand gibt es Dutzende Höhlen – sie sind kaum erforscht, weil viele Einheimische dort Geister vermuten. Das seit 2014 herrschende Militär hat zwar während seiner Zeit an der Macht das Verteidigungsbudget stark erhöht. Aber das Unglück der jungen Fußballspieler in der Höhle zeigt: Das Land besitzt keine Taucher, die den schwierigen Einsatz gefahrlos bewältigen können. Nach dem Tod eines ehemaligen Navy Seal vergangenen Freitag, der sich freiwillig gemeldet hatte, sollen einige der einheimischen Taucher gar vor weiteren Einsätzen zurückgeschreckt sein. Die Generäle nahmen deshalb die Hilfsangebote anderer Nationen an. Die Rettungsaktion vereint Experten aus den USA, China, Großbritannien, den Nachbarländern Laos und Myanmar sowie Taucher aus Israel, Belgien, Dänemark und Australien.

Der Rettungseinsatz, zu dem die beiden australischen Taucher von dem Hotel aus aufgebrochen waren, ist erfolgreich: Zusammen mit weiteren ausländischen Taucher gelingt es ihnen, vier weitere Jungen zu retten.

Entdeckt durch einen Zufall

Es waren die beiden britischen Taucher Rick Stanton, ein ehemaliger Feuerwehrmann, und John Volanthen, eigentlich IT-Berater, die die eingeschlossenen Jungen in einer kleinen Grotte aufgespürt hatten. Dabei half ihnen das Glück: Das Ende des Seils, das die beiden mit sich führten und für den Rückweg verlegten, war erreicht. Die Briten tauchten vorsichtig hoch, um es festzuhaken und sahen sich plötzlich den ausgemergelten Jungen gegenüber. "Es werden viele Leute kommen", versprach Stanton den verängstigten Kindern, bevor er wieder im dunklen Wasser verschwand, um Hilfe zu holen.

Das war am Montag vergangener Woche. Seitdem rätseln Experten, wie sie die Jungen aus der Höhle befreien können. Der australische Arzt Richard Harris wurde extra eingeflogen – ein erfahrener Taucher, dem es gelang, zu den Eingeschlossenen im Inneren des 1.800 Meter hohen Bergs Nang Non vorzudringen. Er überprüfte den Gesundheitszustand der seit dem 23. Juni eingeschlossenen zwölf Jungen und ihres Trainers.

Streit unter den Rettern

Die beiden Entdecker des Aufenthaltsorts der Jungen, Stanton und Volanthen, sind noch immer an der Bergungsaktion beteiligt. "Es gibt nur wenige auf der Welt mit diesem Können und der nötigen Ausrüstung", beschrieb die britische Erste-Hilfe-Organisation Royal Humane Society die beiden. Sie gehören zu einer kleinen Gruppe Taucher, die sich in ihrer Freizeit in Großbritannien zu Höhlenrettern ausgebildet haben. An ihrer großen Erfahrung liege es laut Beobachtern, dass die bisherige Rettungsaktion erfolgreich verlaufen sei. So hätte auch eine Meinungsverschiedenheit unter den Rettern beigelegt werden können. Der Kommandeur der thailändischen Navy Seals hätte auf einen schnellen Rettungsversuch gedrängt, hieß es. Die ausländischen Höhlentaucher hätten aber zur Besonnenheit geraten und die Notwendigkeit guter Vorbereitung betont.

Schließlich konnten Letztere sich durchsetzen. Doch auch mit guter Vorbereitung ist die Bergung der Jungen mühselig und riskant. Sie waren bisher nie getaucht und können bestenfalls ein wenig schwimmen. Das Tauchen in Höhlen aber verlangt eine perfekte Balance und vor allem gute Nerven. Deshalb mutmaßen Experten, dass die Jungen vor dem Tauchgang Beruhigungsmittel bekommen. "Nichts ist schlimmer in einer Höhle, als nach oben gegen die Decke zu prallen", sagt ein Mitglied des australischen Rettungsteams. Inzwischen haben die Taucher die Rettung der letzten vier verbliebenen Jungen in der Höhle und ihres Trainers geplant. "Sie werden am Dienstag entscheiden, ob sie an einem Tag alle vier noch in der Höhle sitzenden Kinder und ihren Trainer herausholen können", sagte Gouverneur Narongsak Osottanakorn.