Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, soll lebenslang ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht in München sprach die 43-Jährige des zehnfachen Mordes schuldig und verhängte die Höchststrafe. Für schuldig befunden wurde sie zudem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwerer Brandstiftung. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl stellte die besondere Schwere ihrer Schuld fest. Von Sicherungsverwahrung war nicht die Rede. Zschäpes Verteidiger hatten angekündigt, maximal zehn Jahre Freiheitsstrafe zu akzeptieren. Lebenslang bedeutet mindestens 15 Jahre, danach kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das Gericht verhängte auch gegen die weiteren Mitangeklagten Haftstrafen. Ralf Wohlleben erhielt zehn Jahre. Das Gericht blieb damit hinter der Forderung der Bundesanwaltschaft zurück, die für den als NSU-Helfer Angeklagten zwölf Jahre gefordert hatte.

André E. erhielt 2,5 Jahre Haft. Das Gericht sprach ihn allerdings nicht der Beihilfe zum versuchten Mord schuldig, wie dies die Bundesanwaltschaft gefordert hatte. Es verurteilte den 38-Jährigen, der bei der Tarnung des NSU-Trios im Untergrund geholfen haben soll, lediglich wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Die Verteidiger hatten einen Freispruch von sämtlichen Anklagepunkten für ihren Mandanten gefordert.

Holger G. erhielt drei Jahre. Das Gericht sprach ihn der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung schuldig. G. hatte zugegeben, dem NSU-Trio einmal eine Waffe übergeben und den Untergetauchten mit falschen Papieren geholfen zu haben. Die Bundesanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft gefordert, die Verteidiger hatten für eine Strafe von "unter zwei Jahren" plädiert.

Carsten S. soll drei Jahre ins Gefängnis. Er hatte gestanden, die Ceska-Mordwaffe beschafft zu haben, mit der die Terroristen neun Menschen erschossen. Angestiftet hatte ihn laut eigener Aussage Ralf Wohlleben – er habe auch das Geld für den Kauf bereitgestellt. Das Gericht sprach S. der Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig, verurteilte ihn aber nach Jugendstrafrecht, weil er zur Tatzeit noch Heranwachsender war. Die Anklage hatte eine Jugendstrafe von drei Jahren gefordert – und dabei die Aufklärungshilfe und sein Schuldeingeständnis positiv gewertet. Die Verteidiger hatten dagegen Freispruch gefordert – ihr Mandant habe nichts von den geplanten Morden des NSU gewusst.

Mit seinem Strafmaß gegen Zschäpe folgte der Vorsitzende Richter der Forderung der Bundesanwaltschaft. Diese hatte eine Sicherungsverwahrung für den Fall gefordert, dass die Strafe später zur Bewährung ausgesetzt wird. Zur Forderung der Anklage gehört auch deren juristisch umstrittene Sichtweise, dass Zschäpe als Mittäterin an den zehn dem NSU zugerechneten Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen zu verurteilen war, obwohl sie an keinem der Tatorte der Morde und Anschläge anwesend gewesen sein soll. Sie will erst nachträglich von den Taten ihrer beiden Freunde erfahren haben. Die beiden Mittäter hatten sich 2011 selbst getötet.

Die detaillierte Entwicklung der Urteilsverkündung können Sie in unserem Liveblog mitverfolgen.