Der Angeklagte im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn ist freigesprochen worden. Das Landgericht Düsseldorf sah eine Schuld des als Neonazi bekannten Ralf S. nicht als erwiesen an.

Vor 18 Jahren, am 27. Juli 2000, explodierte am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn eine mit TNT gefüllte Rohrbombe. Zehn Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt und eine schwangere Frau verlor ihr ungeborenes Kind. Die Opfer waren überwiegend jüdische Einwanderer aus ehemaligen Sowjetrepubliken. Nachdem die Ermittlungen lange Zeit ergebnislos waren, wurde schließlich am 31. Januar 2017 der nun Angeklagte Ralf S. festgenommen. Nach Bekanntwerden des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im Jahr 2011 war zunächst ein Zusammenhang vermutet worden, dieser wurde jedoch nicht bewiesen. 

Die Anklage hatte S. zwölffachen Mordversuch aus Fremdenhass vorgeworfen. Im Mai entließen ihn die Richter aber aus der Untersuchungshaft und teilten mit, dass sie ihn nicht länger als dringend tatverdächtig betrachten. Zur Begründung verwies das Gericht auf nicht ausreichend belastbare Zeugenaussagen. Die Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft, die Verteidigung einen Freispruch.

Ralf S.' Verteidiger sagte: "Die Beweisaufnahme hat den Nachweis für seine Täterschaft nicht erbracht." Der Angeklagte sei von völlig unglaubwürdigen Zeugen belastet worden. Es gebe keine Spuren von ihm am Tatort.

Im Prozess nahmen mehrere Zeugen frühere Aussagen zurück

Im Prozess hatten mehrere Zeugen frühere Aussagen zurückgenommen oder relativiert. Ihnen sei es zuvor bei ihren belastenderen Varianten möglicherweise um Hafterleichterungen oder die Belohnung gegangen, vermuteten die Verteidiger. Ralf S. sei zwar ein "Dampfplauderer und ein Dummschwätzer", aber kein hochgefährlicher Rechtsextremist mit soziopathischen Zügen, wie von der Anklage behauptet.

Sämtliche vier Nebenkläger-Anwälte hatten den Angeklagten dagegen als überführt bezeichnet. Er habe sich in mitgeschnittenen Telefonaten mehrfach verraten. Das Gesamtbild sei eindeutig und beseitige jeden Zweifel. Nebenklage-Vertreter Juri Rogner sagte, dass das Gericht dabei sei, "den schwersten Justizfehler in der Geschichte Düsseldorfs" zu begehen.