ZEIT ONLINE: Ist es schwierig für abgeschobene Flüchtlinge einen Wohnplatz zu finden?

Hashimi: Seit dem 25. Juli wohne ich in einer anderen Unterkunft, wo ich für jede Nacht 200 Afghani aus meiner eigenen Tasche bezahlen muss. Da ich keine Unterstützung bekomme, habe ich einen Antrag an die IOM gestellt. Wenn wir eine Wohnung finden, würde die Organisation einspringen und die Miete für das erste Jahr zahlen. Zumindest wurde uns das so versprochen.

Meine Erfahrungen hier vor Ort sind aber leider anders. Einige der Rückkehrer haben eine Unterkunft gefunden und eben keine Hilfe von der IOM erhalten. Ich glaube, dass liegt an der Bürokratie und Korruption dieses Landes. Die Regierung und die Behörden geben das Geld offenbar lieber für andere Dinge aus. Für mich ist die Lage in Afghanistan besonderes schwierig. Ich bin ein lediger Mann und ich habe keine Partnerin. Dadurch wird mir hier seltener eine Wohnung oder Arbeit angeboten.

ZEIT ONLINE: Wie fühlt sich das an, wieder zurück zu sein?

Hashimi: Ich fühle mich hier sehr allein – ja, wie ein Fremder sogar. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Hier ist alles unbekannt für mich, mein Herz ist voller Angst! Es geht aber nicht nur mir so. Einer der anderen Abgeschobenen hat sich ja aus diesem Grund sogar das Leben genommen. Wenn es so weitergeht, werde ich wieder flüchten – in den Iran oder nach Europa.

Unser Präsident forderte die europäischen Länder auf, darunter auch Deutschland, junge Menschen zurück nach Afghanistan zu schicken. Er verspricht allen hier eine gute Arbeit und ein gutes Leben. Aber das sind falsche Versprechen. Seit ich in Kabul bin, hat es bereits drei Selbstmordattentate mit vielen Toten und Verwundeten gegeben. Rund um den Präsidentenpalast wurde eine anderthalb Meter dicke Schutzmauer gebaut. Stellen Sie sich das einmal vor: Kabul ist die Hauptstadt unseres Landes. Wenn Afghanistan wirklich so sicher ist, dass man Flüchtlinge zurückschicken darf, dann frage ich mich, warum wurde ein Anschlag auf die deutsche Botschaft verübt?

ZEIT ONLINE: Was denken Sie über Deutschland und die deutsche Asylpolitik?

Hashimi: Deutschland ist ein fortschrittliches Land. Die Deutschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Doch die Regierung hat doppelte Standards gegenüber Asylsuchenden aus Afghanistan. In Deutschland leben ja schließlich nicht nur afghanische Flüchtlinge, sondern auch sehr viele aus Pakistan, Iran, Irak, Syrien und anderen Ländern. Am meisten diskutiert wird aber immer über afghanische Flüchtlinge, am Ende werden auch fast nur wir abgeschoben. Dabei weiß die deutsche Regierung ganz genau, dass Afghanistan ebenso ein unsicheres Land ist wie Syrien.

Mitarbeit: Hasan Gökkaya