Der zu Unrecht aus Neubrandenburg abgeschobene afghanische Asylbewerber Nasibullah S. ist wieder in Deutschland. Der 20-Jährige landete am Sonntagnachmittag an Bord einer Maschine auf dem Flughafen Berlin-Tegel, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Nach der Einreisekontrolle habe ihn eine Mitarbeiterin seiner Anwältin in Empfang genommen. "Ich freue mich, wieder in Deutschland zu sein", sagte er dem NDR. "Ich hoffe, dass ich hier bleiben darf und ich danke für die große Unterstützung." S. soll sich nun bei der Ausländerbehörde des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg melden.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte bereits Mitte Juli angekündigt, S. zurückholen zu wollen. Der Vorgang hatte sich jedoch wiederholt verzögert. S. lebte seit 2015 in Deutschland und war einer jener 69 Menschen, die Anfang Juli mit einem Charterflug aus München nach Afghanistan abgeschoben worden waren. Wegen eines noch laufenden Verfahrens am Verwaltungsgericht Greifswald war die Abschiebung in seinem Fall nicht zulässig. S. hatte gegen die Ablehnung seines Asylantrags geklagt und sollte noch vor Gericht angehört werden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Abschiebung seinerzeit mit den Worten kommentiert: "Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden. Das liegt weit über dem, was bisher üblich war." Später wurde bekannt, dass sich einer der Abgeschobenen in Kabul erhängte. Für die Bemerkung steckte Seehofer viel Kritik ein, was der Minister als unpassend zurückwies.

Nasibullah S. hatte im Dezember 2015 Asyl in Deutschland beantragt. Er gab an, von den Taliban bedroht worden zu sein. Das Bamf lehnte seinen Antrag im Februar 2017 ab. Begründet wurde dies unter anderem damit, er müsse nicht in den gefährlichen Süden des Landes zurückkehren, sondern könne auch in anderen, ausreichend sicheren Regionen Afghanistans leben. Gegen diesen Bescheid richtete sich S.' Klage. Das Verfahren soll nun vor dem Verwaltungsgericht Greifswald fortgesetzt werden.