Für die Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff Aquarius wird weiter nach einer Lösung gesucht. Frankreich hat Gespräche mit anderen Mittelmeeranrainern aufgenommen. Ziel sei es, "schnell" einen Aufnahmehafen zu finden, hieß es aus dem Élysée-Palast. Denn das internationale Seerecht schreibe vor, dass der nächstgelegene Hafen angesteuert werden müsse. Da sich das Schiff zwischen Italien und Malta befinde, seien die französischen Häfen nicht die nächsten.

Frankreich äußerte Bedauern über die "sehr harte politische Haltung" der italienischen Regierung. Die will die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auf null senken; Italien war früher Hauptankunftsland von Bootsflüchtlingen. Im Juni entschied Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega, dass Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr in italienischen Häfen anlegen dürfen. Auch Malta verweigerte wiederholt die Einfahrt von Schiffen mit geretteten Bootsflüchtlingen. Erst am Montag hatte der Inselstaat 114 andere Flüchtlinge aufgenommen.

Der Direktor des französischen Hafens Sète, Jean-Claude Gayssot, sagte, er sei bereit, die Aquarius anlegen zu lassen. Voraussetzung dafür sei aber die Zustimmung der französischen Behörden.

Viele Minderjährige an Bord

Die Betreiber des Rettungsschiffs hatten zuvor alle europäischen Regierungen aufgerufen, einen sicheren Hafen für die 141 Flüchtlinge an Bord zu finden. Diese waren von Booten vor der libyschen Küste gerettet worden. Die Hälfte von ihnen sei minderjährig. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, Brüssel stehe bereits mit mehreren Mitgliedsländern in Kontakt. Man wolle eine schnelle Lösung für das Schiff finden.

Anfang Juni hatten Malta und Italien die Aquarius schon einmal zurückgewiesen – mit damals 630 Flüchtlingen an Bord. Nach einer Woche erklärte sich Spanien schließlich bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. 

Unterdessen kündigte Gibraltar an, die Aquarius dürfe nicht mehr unter der Flagge des britischen Überseegebiets fahren. Zur Begründung hieß es, das Schiff sei in Gibraltar als Forschungsschiff registriert worden, nicht als Rettungsschiff.