Die EU-Kommission hat wegen der Aufnahme von 141 Migranten an Bord der Aquarius Kontakt mit einer Reihe von Mitgliedsstaaten aufgenommen. Das teilte die Kommission mit. Zuvor hatte der italienische Verkehrsminister, Danilo Toninelli, auf Twitter erklärt, dass Schiff fahre unter der Flagge des britischen Territoriums Gibraltar, darum müsse Großbritannien die Verantwortung übernehmen. Das britische Überseegebiet Gibraltar liegt an der spanischen Südküste. Vom britischen Außenministerium gab es zunächst keine Reaktion.

EU-Kommissionssprecherin Tove Ernst sagte, in der Theorie komme ein Hafen in dem Land, unter dessen Flagge ein Rettungsschiff fährt, infrage. Doch könne dies in der Praxis auch unmöglich sein, so Ernst. Man sei in Kontakt mit Mitgliedsstaaten, um eine schnelle Lösung zu finden. Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, stehe die EU zur diplomatischen Unterstützung bereit.

Die Aquarius, die von französischen Hilfsorganisationen betrieben wird, hat die europäischen Staaten aufgefordert, einen sicheren Hafen zu nennen, damit die 141 Flüchtlinge dort an Land gehen und versorgt werden können. Die Menschen wurden am Freitag aus Booten im Mittelmeer gerettet. Die meisten von ihnen stammen aus Somalia und Eritrea. Unter ihnen sind 67 unbegleitete Minderjährige.

Auch Spanien will die "Aquarius" nicht

Derzeit befindet sich das Schiff zwischen Italien und Malta. Beide EU-Länder haben sich jedoch geweigert, die Aquarius an Land zu lassen. Auch Spanien wird sich nach Medienberichten diesmal nicht der Migranten annehmen. Noch im Juni hatte Spanien sich bereit erklärt, die Aquarius in einenHafen einfahren zu lassen. Damals war das Schiff ebenfalls tagelang auf dem Mittelmeer herumgeirrt, damals mit 629 Migranten an Bord. 

Der Deutschen Presse-Agentur sagte ein Sprecher der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez: "Spanien ist zurzeit gemäß internationalem Recht nicht der sicherste Hafen (für die Aquarius), weil es nicht der nächstgelegene Hafen ist." Die jetzige Lage könne mit der von Mitte Juni "nicht verglichen werden". Damals, so heißt es im Madrider Moncloa-Palast, habe eine "humanitäre Notlage" vorgelegen, die Lage sei "sehr komplex" gewesen.

Die Regierung in Madrid wollte derweil nicht sagen, wie man vorgehen würde, falls sich die Lage um die Aquarius in den nächsten Tagen verschlimmern sollte. Schon im Juni hatten einige Minister aber erklärt, die Aufnahme der von Italien und Malta zurückgewiesenen Rettungsschiffe durch Spanien könne nicht zur Regel werden.