Bewohner der brasilianischen Grenzstadt Pacaraima haben am Samstag Flüchtlinge aus dem benachbarten Venezuela attackiert. Hintergrund sei ein Raubüberfall auf einen Ladenbesitzer, für den vier Zuwanderer verantwortlich gemacht würden, teilten die Behörden und die Medien mit. Nach einer Protestkundgebung gegen den Überfall sei eine Menge durch die Stadt gezogen, habe Steine auf Migranten geschleudert und die Zelte der rund 2.000 Flüchtlinge in der Stadt in Brand gesetzt. Viele der Venezolaner flüchteten zu Fuß zurück in ihr Heimatland. Nach Polizeiangaben gab es weder Verletzte noch Festnahmen.

Die Grenzstadt Pacaraima liegt auf dem Hauptfluchtweg aus Venezuela in den brasilianischen Bundesstaat Roraima. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres haben etwa 16.000 Venezolaner eine Aufenthaltsgenehmigung in Roraima beantragt; sie fliehen vor dem wirtschaftlichen und politischen Chaos in ihrer Heimat.

Venezuela steckt infolge von Ölpreisverfall und Misswirtschaft in einer tiefen Wirtschaftskrise, die Inflation ist außer Kontrolle geraten. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte die Geldentwertung in diesem Jahr eine Million Prozent erreichen. Die Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung machen vielen Venezolanern zu schaffen. Zudem geht die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro gegen Oppositionelle im Land vor; es gibt Verhaftungen und Dutzende Tote auf Demonstrationen.

Seit 2017 haben mehr als 127.000 Venezolaner ihr Land verlassen und die Grenze nach Brasilien passiert, davon sind etwa 69.000 in andere Länder weitergereist, wie die brasilianischen Behörden mitteilten. Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben demnach etwa 56.000 Venezolaner Bleiberecht in Brasilien beantragt.