Der Riss eines Tragseils könnte Experten zufolge die Ursache für den Einsturz der Autobahnbrücke in Genua gewesen sein. "Dies ist eine ernste Arbeitshypothese, aber nach drei Tagen ist es nur eine Hypothese", sagte der Professor für Stahlbetonbau an der Universität Genua, Antonio Brencich.

Brencich gehört einer vom Verkehrsministerium eingesetzten Unfallkommission an. Es gebe Zeugenaussagen und Videos, die auf diese Erklärung hinwiesen, sagte er laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Dagegen schloss er eine Überlastung der Brücke als Grund aus. "Der Regen, der Donner, die Überlastung sind fantasievolle Hypothesen, die nicht einmal in Erwägung gezogen werden."

Der vierspurige, etwa 1.200 Meter lange Polcevera-Viadukt in Genua setzt sich aus drei Einzelbrücken zusammen, von denen eine am Dienstag einstürzte. Die Stahlseile, die von den Pylonen zum Fahrbahnträger reichen, sind mit Beton ummantelt, um sie vor Rost zu schützen.

Die Zeitung La Repubblica schrieb, dass eine Studie des Polytechnikums Mailand schon 2017 Schwächen an den Seilen entdeckt habe. Die Zeitung zitierte außerdem Augenzeugen des Unglücks, die gesehen hätten, wie die Spannseile nachgaben. "Ich war am Steuer meines Autos und habe gesehen, wie die Seile an der Seite nachgaben. Gleich danach begann der Asphalt unter mir zu zittern wie bei einem Erdbeben", sagte die Ärztin Valentina Galbusera der Zeitung.