Die Bundesanwaltschaft hat einen 31 Jahre alten Mann in Berlin festnehmen lassen, der im Verdacht steht, einen Sprengstoffanschlag geplant zu haben. Der Mann aus Russland wurde unter dem "Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Vorbereitung eines Explosionsverbrechens" in Haft genommen, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Sein Name wurde mit Magomed-Ali C. angegeben. Der Verdächtige wurde als "radikalislamisch gesinnt" eingestuft. Er soll am Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Die Festnahme des russischen Staatsbürgers erfolgte durch Beamte des Bundeskriminalamtes mit Unterstützung der GSG 9 und des Landeskriminalamtes. Die Ermittler durchsuchten die Wohnung des Beschuldigten. Zugrunde lag ein Haftbefehl vom 9. August.

Anlass der Festnahme sind Ermittlungen gegen einen 22-Jährigen, der im vergangenen Jahr kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl in Marseille wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen wurde. Magomed-Ali C. soll Verbindungen zu dem mutmaßlichen Islamisten Clément B. aus Frankreich gehabt haben.

Clément B. wurde demnach am 18. April 2017 in Marseille festgenommen. Laut den Ermittlern hatte er beabsichtigt, gemeinsam mit einem ebenfalls festgenommenen Komplizen in Frankreich einen Sprengstoffanschlag zu begehen. Bei seiner Festnahme befand sich Clément B. im Besitz von mehreren Schusswaffen und drei Kilogramm TATP (Triacetontriperoxid). Das TATP hatten er und sein Komplize im Frühjahr 2017 in Frankreich gemeinsam hergestellt. 

Polizei störte Vorbereitungen im Oktober 2016

Magomed-Ali C. hatte nach Erkenntnis der Ermittler "am 26. Oktober 2016 in seiner Wohnung in Berlin eine erhebliche Menge TATP" verwahrt. Weiter heißt es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft: "Mit diesem Sprengstoff wollte der radikalislamistisch gesinnte Beschuldigte gemeinsam mit dem zwischenzeitlich in Frankreich inhaftierten Mitbeschuldigten Clément B. einen Sprengsatz herstellen." Wann und wo in Deutschland dieser gezündet werden sollte, sei unklar. Die beiden Männer hätten zum Ziel gehabt, "eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen".

Im Oktober habe die Polizei die Vorbereitungen der beiden Männer gestört, sodass diese sich getrennt hätten, heißt es in der Mitteilung weiter. Magomed-Ali C. sei in Berlin geblieben, Clément B. sei Ende Oktober 2016 von Berlin über Aachen nach Frankreich gereist. 

Die französischen Sicherheitsbehörden vereitelten später nach eigenen Angaben einen Anschlag in Frankreich. Clément B. und sein französischer Komplize hatten nach Erkenntnissen der Ermittler Bars in Marseille ausgespäht, aber auch Treffen politischer Parteien. Bei ihnen wurden Sprengstoff, Waffen, Munition und eine Flagge der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" gefunden. Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins sagte damals, eine "gewalttätige Aktion" habe unmittelbar gedroht.

Festgenommene hatten Kontakt zu Anis Amri

Medienberichten zufolge hatte Clément B. zudem mehrfach telefonisch oder über das Internet Kontakt zu dem Berlin-Attentäter Anis Amri gehabt. Der Tunesier hatte im Dezember 2016 bei einem Anschlag mit einem Lastwagen auf dem Breitscheidplatz zwölf Menschen getötet. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, die Telefonnummer von B. sei unter einem Pseudonym im Handy von Amri gespeichert gewesen. Es gebe aber keine Hinweise, dass die beiden Verdächtigen in den Anschlag vom Dezember 2016 eingebunden gewesen seien.

Nach Informationen des Tagesspiegels waren Clément B. und Magomed-Ali C. 2016 auch in der als Salafisten-Treff bekannten Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit. Dort sollen sie Kontakt zu Amri gehabt haben. Jedoch soll dieser nicht in die Pläne der beiden eingeweiht gewesen sein, hieß es demnach aus Sicherheitskreisen.