Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrerer Flüchtlingsorganisationen beschuldigen die französische Polizei, Flüchtlingshelfer in Calais belästigt und eingeschüchtert zu haben. Vier Organisationen – darunter die britische Help Refugees und die französische L'Auberge des Migrants – haben einen entsprechenden Bericht veröffentlicht. Darin ist von mehr als 600 Fällen im Zeitraum zwischen dem 1. November 2017 und dem 1. Juli 2018 die Rede.

In Calais hatten sich noch vor wenigen Jahren zahlreiche Migranten gesammelt, um nach Großbritannien zu gelangen. Es entstand der sogenannte Dschungel von Calais – ein großes, wild gewachsenes Flüchtlingscamp, in dem Tausende Menschen lebten, bevor es im Herbst 2016 aufgelöst wurde. Viele Menschen wurden umgesiedelt, teilweise innerhalb Frankreichs, einige wurden auch nach Großbritannien gebracht. Zahlreiche weitere Migranten blieben jedoch in der Stadt. Sie sind oft obdachlos und werden von den Freiwilligen der Hilfsorganisationen unter anderem mit Essen und Wasser versorgt.

In dem Bericht der Hilfsorganisationen klagen Freiwillige, die Polizei behindere sie immer wieder bei ihrer Arbeit. Die Fälle reichten von ausgiebigen Polizeikontrollen über willkürlich ausgestellte Strafzettel bis hin zu Drohungen, Beleidigungen sowie verbaler und physischer Gewalt. Die Polizisten würden die Freiwilligen immer wieder bei ihrer Arbeit verfolgen und auch händische Kontrollen der Freiwilligen durchführen, insbesondere bei Frauen, hieß es. Auch würden die Polizisten die Freiwilligen in Calais filmen und fotografieren und auf Nachfrage nicht beantworten, ob und wie sie das Material verwenden wollen.

37-mal seien Helfer von Polizisten physisch attackiert worden, heißt es in dem Bericht weiter. Polizisten hätten sie etwa auf den Boden geschubst und ihre Telefone an sich genommen. Britische Helferinnen und Helfer seien daran gehindert worden, Essen und Wasser zu verteilen oder die Region rund um das an Calais angrenzende Dunkirk zu betreten, da "englische Vereinigungen" nicht dazu befugt seien, heißt es in dem Report weiter.

Das aggressive Verhalten der Polizei gegenüber den Helfern sei jedoch nur ein Bruchteil dessen, was Migranten in der Region widerfahre, sagte Maddy Allen, eine Mitarbeiterin der britischen Organisation Help Refugees, dem Guardian. Bereits im vergangenen Jahr hatte auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet, Polizisten hätten unter anderem Pfefferspray gegen Migranten eingesetzt und deren Habseligkeiten beschlagnahmt. 

Wasser verteilen ist nichts Illegales

Éléonore Vigny von L'Auberge des Migrants, die ebenfalls an dem Bericht mitgearbeitet hat, sagte, was die Helferinnen und Helfer in Calais und Umgebung täten, sei nicht verboten. Zwar dürfe man Migranten ohne Papiere nicht dabei helfen, nach Frankreich zu gelangen oder sie dort beherbergen, es sei jedoch nicht illegal, Wasser, Essen oder Kleidung zu verteilen.

Die Behörden im für Calais zuständigen Département Pas-de-Calais dementierten den Bericht der Hilfsorganisationen. Niemand sei von Polizisten belästigt worden, auch lägen keine solchen Anschuldigungen vor. Ferner könne sich jeder, der sich als Opfer fühle, bei den zuständigen Behörden melden, hieß es von der zuständigen Präfektur. Auch die Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, wies die Vorwürfe zurück. Sie entbehrten jeder Grundlage, zitiert sie der französische Sender Europe 1