Ein heftiges Erdbeben der Stärke 7,3 hat am Dienstag die Küste im Nordosten Venezuelas erschüttert. Das Zentrum des Bebens lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 20 Kilometer nordnordwestlich der Ortschaft Yaguaraparo im Bundesstaat Sucre in einer Tiefe von 123 Kilometern. Die venezolanische Erdbebenwarte gab die Stärke des Erdstoßes mit 6,3 an.

Das US-Tsunami-Zentrum gab eine Tsunami-Warnung heraus. Zerstörerische Tsunami-Wellen seien in einem Umkreis von 300 Kilometern um das Epizentrum des Bebens herum möglich, hieß es in der Mitteilung. Die Wellen könnten die Küste von Venezuela sowie die Karibikinseln, Grenada, Trinidad und Tobago treffen.

In Cumaná, einer der größeren Städte nahe dem Epizentrum, berichtete ein Zeuge von mehreren Verletzten in einem Einkaufszentrum. Dort sei eine Rolltreppe eingestürzt. Andere Schäden in der Gegend gab es demnach nicht. Der starke Erdstoß war aber auch in der knapp 600 Kilometer entfernten Hauptstadt Caracas zu spüren. Dort verließen Menschen in Panik ihre Häuser, die Behörden evakuierten einzelne Gebäude. Verletzte oder wesentliche Gebäudeschäden seien dort zunächst nicht gemeldet worden, sagte Feuerwehrchef John Boquett. Während der Erschütterung musste eine regierungstreue Versammlung unterbrochen werden, in der es um Wirtschaftsreformen ging.

Der Vorsitzende der Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, war in den Momenten nach dem Beben im Staatsfernsehen zu sehen. Er hielt eine Rede, als er wie viele andere von einer Seite zur anderen schaute, und Menschen plötzlich: "Erdbeben!" riefen. 1997 verloren bei einem ähnlich starken Beben in der gleichen Region Dutzende Bewohner ihr Leben.

"Wir haben alle Einsatzkräfte aktiviert. Bislang gibt es keine Opfer", sagte Venezuelas Innenminister Néstor Reverol. Er werde sich mit den Bürgermeistern und Gouverneuren der betroffenen Regionen in Verbindung setzen und Berichte über eventuelle Schäden anfordern. Reverol rief die Bevölkerung zur Ruhe auf: "Das ist eine Situation, in der man mit viel Bedacht handeln muss."