Eine Dienstpflicht für junge Leute würde die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland begrüßen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des ZDF-Politbarometers hervor. Demnach befürworten mit 68 Prozent mehr als zwei Drittel der Wahlberechtigten eine allgemeine Dienstpflicht bei der Bundeswehr oder im sozialen Bereich.

Unterteilt man die Befragten nach ihrer Parteipräferenz, ist die Zustimmung für ein Pflichtjahr unter Unions-Anhängern am größten. 77 Prozent von ihnen sind dafür, gefolgt von AfD-Anhängern (72 Prozent). Auch bei vielen Anhängern von SPD (62 Prozent) und Grünen (66 Prozent) kommt der Vorschlag an. Selbst Befragte, die der FDP nahestehen, sind zu 65 Prozent dafür. Parteichef Christian Lindner hatte die Idee kürzlich als "Freiheitsentzug, Volkserziehung und Verschwendung von Lebenszeit" zurückgewiesen.

Unter den Anhängern der Linken ist der Umfrage zufolge eine knappe Mehrheit dafür: 52 Prozent würden eine Dienstpflicht begrüßen. Ausgeführt wurde die Befragung von der Forschungsgruppe Wahlen.

Ablehnung bei jungen Leuten

Eine repräsentative Civey-Umfrage für die Welt, die am Dienstag veröffentlicht worden war, zeigt eine ähnliche Tendenz. Demnach befürworten mehr als 60 Prozent ein einjähriges Pflichtjahr für junge Männer und Frauen. Die größte Zustimmung gab es hier bei Wählern der AfD (knapp 74 Prozent) und der Union (71,5 Prozent). Auch FDP- (knapp 58 Prozent) und SPD-Wähler (knapp 56 Prozent) sind demnach mehrheitlich dafür. Dagegen lehnen Wähler der Grünen (44,4 Prozent dafür, 46,7 Prozent dagegen) und der Linken (40,3 Prozent dafür, 54,2 Prozent dagegen) in dieser Umfrage eine Dienstpflicht mehrheitlich ab.

Fragt man diejenigen, für die eine Dienstpflicht tatsächlich gelten würde, sieht die Sache allerdings anders aus: Die 18- bis 29-Jährigen lehnten sie in der Civey-Umfrage mit etwa 54 Prozent mehrheitlich ab. In allen vier anderen Altersgruppen sprach sich jeweils eine klare Mehrheit für die Einführung einer einjährigen allgemeinen Dienstpflicht aus.

"Den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken"

Angestoßen hatte die Debatte über eine allgemeine Dienstpflicht die CDU. Die SPD äußerte sich dazu eher skeptisch und sprach sich stattdessen dafür aus, freiwilliges Engagement im sozialen Bereich zu stärken. Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, warb im Spiegel erneut für ein Pflichtjahr: "In einer Gesellschaft, in der es immer mehr um das Ich geht, kann es auch ein Jahr lang mehr als bisher um das Wir gehen". Der Gesellschaftsdienst könnte bei der Bundeswehr absolviert werden, beim Technischen Hilfswerk, bei den Feuerwehren, aber auch in Krankenhäusern oder in Behinderteneinrichtungen. Es gehe nicht darum, billige Arbeitsplätze zu schaffen, sagte der CDU-Politiker: "Im Gegenteil, das Gesellschaftsjahr wird den Staat vermutlich Geld kosten. Aber wir stärken dadurch den Zusammenhalt in der Gesellschaft." Er denke, dass es am Ende eine Mehrheit dafür geben werde.

Dagegen wandte sich die FDP-Politikerin Linda Teuteberg. Sie sehe keinen Anlass, die Freiheit junger Leute einzuschränken, sagt sie dem Magazin. Die Dienstpflicht bedeute einen Freiheitseingriff, für den es laut Grundgesetz ganz wenige, ausgewählte Rechtfertigungsgründe gebe. Die sehe sie derzeit nicht. Teuteberg sagte, ein solches Programm werde zudem viel Geld kosten. Das seien Ressourcen, die anderswo für den Zusammenhalt der Gesellschaft und das Sozialsystem fehlen würden.  

Ulrich Schneider - Warum wehren Sie sich gegen ein soziales Pflichtjahr? Ausgerechnet der Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbands will keinen Pflichtdienst für junge Erwachsene. Im Videointerview spricht Ulrich Schneider über die Gründe. © Foto: Zeit Online