Rechtsextremismus - Verletzte bei Demonstrationen in Chemnitz In Chemnitz finden parallel Demonstrationen von linken und rechten Gruppierungen statt. Bei Zusammenstößen hat es nach Polizeiangaben mehrere Verletzte gegeben. © Foto: Jan Woitas/dpa

Einen Tag nach Übergriffen in Chemnitz haben sich erneut rechte Demonstranten in der Stadt versammelt. Sie trafen sich in Sicht- und Hörweite von etwa 1.000 Gegendemonstranten am Karl-Marx-Monument und zogen danach durch die Innenstadt. Laut Schätzungen des MDR nahmen an der Demonstration der rechten Bürgerbewegung Pro Chemnitz etwa 5.000 Menschen teil. Die rechte Szene hatte bundesweit mobilisiert. Die Polizei nannte keine Zahlen.

Rechtsextreme durchbrachen wiederholt die Ketten der Polizisten, um Gegendemonstranten und Journalistinnen anzugreifen. Dabei flogen Flaschen und andere Gegenstände. Feuerwerkskörper wurden sowohl von Rechtsextremen als auch von Gegendemonstrantinnen gezündet. Die Polizei fuhr Wasserwerfer auf, um beide Gruppen zu trennen. Rechtsextreme skandierten: "Hier regiert der nationale Widerstand", "Ausländer raus" und "Wir sind das Volk".

Dabei habe es mindestens zwei Verletzte gegeben, teilte die Polizei mit. Am späten Abend seien zudem vier Teilnehmer der rechten Demonstration bei der Abreise durch Angreifer verletzt worden.

Die Polizei warnte die Demonstrierenden während des Aufmarsches vor Gewalt. Sie habe beobachtet, dass mehrere Menschen "im Bereich des Stadthallenparks Steine aufnehmen",  twitterte die Polizei Sachsen. Zudem hätten sich mehr als 100 Personen vermummt. "An diese Personen: 'Ihre Handlungen werden gefilmt. Legen Sie die Vermummung ab und die Gegenstände nieder'", so die Polizei. Die Versammlung Pro Chemnitz sei wegen mehrerer Vermummungen angehalten worden, die Verstöße seien aufgezeichnet worden.

In sozialen Netzwerken verbreiteten Beobachter Aufnahmen von Hitlergrüßen und Drohungen gegen die Presse durch rechte Demonstranten. Die Polizei habe dabei kaum eingegriffen, weil ihre Mannschaftsstärke zu gering gewesen sei. Das bestätigte die Polizei selbst. Ein Polizeisprecher sagte: "Wir waren mit zu wenig Beamten da." Man habe mit einigen Hundert Teilnehmenden gerechnet und sich entsprechend vorbereitet, aber nicht mit einer solchen Teilnehmerzahl. "Der Einsatz verlief nicht störungsfrei." Zuvor hatte Polizeipräsidentin Sonja Penzel versichert, ausreichend Kräfte angefordert zu haben. Es werde nicht zugelassen, dass Chaoten die Stadt vereinnahmen.

Auch nach dem Abschluss der Kundgebungen gerieten der Polizei zufolge "vereinzelt" Teilnehmende der verschiedenen Lager aneinander. Die Polizei begleitete nach eigenen Angaben eine größere Menschengruppe zum Bahnhof.

Der innenpolitischer Sprecher der SPD im sächsischen Landtag, Albrecht Pallas, sagte ZEIT ONLINE: "Die Rechten wollen das Bild erzeugen, das sei hier die Bevölkerung – aber das sind Rechtsradikale, die gut mobilisieren können. Die rechten Organisationen sind gut vernetzt, das haben wir schon in Heidenau gesehen." Es gehe jetzt darum, das Bürgertum zu aktivieren. Es wirke, als hätten die Rechten auf einen Anlass gewartet.

Gegendemonstration wollte Zeichen setzen

Die Gegenkundgebung hatte zuvor friedlich gegen rechte Gewalt demonstriert. "Die Jagdszenen auf Menschen, die nach Ausländern aussehen, machen uns Angst. Wir wollen zeigen, dass Chemnitz ein anderes Gesicht hat: weltoffen und gegen Fremdenfeindlichkeit", sagte der Chemnitzer Linke-Vorsitzende Tim Detzner bei der Kundgebung vor der Stadthalle.

Nur wenige Meter entfernt war am frühen Sonntagmorgen ein 35-Jähriger niedergestochen worden und gestorben. Gegen zwei Tatverdächtige aus Syrien und dem Irak wurden inzwischen Haftbefehle wegen gemeinschaftlichen Totschlags erlassen.

Am Sonntagnachmittag zogen daraufhin nach einem Aufruf einer rechten Ultragruppierung aus dem Umfeld des Fußballregionalligisten Chemnitzer FC 800 Menschen, darunter zahlreiche Rechte, durch die Innenstadt von Chemnitz. Auf Videos ist zu sehen, wie dabei Migranten und auch Polizisten angegriffen wurden.