Ein Teil der Reste der eingestürzten Brücke in Genua muss nach Ansicht von Experten schnell abgerissen oder gestützt werden. Das geht aus einem Schreiben einer Expertenkommission an die Behörden vor, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums bestätigte den Bericht.

Die Warnung betrifft nur den östlichen Rumpf des Morandi-Viadukts, der vor mehr als einer Woche in der italienischen Stadt eingestürzt war. Nach Angaben der Feuerwehr waren am östlichen Rumpf auffällige Geräusche wahrgenommen worden.

"Man muss sicher den Rumpf so schnell wie möglich abreißen", sagte der Präsident der Region Ligurien und Kommissar für den Wiederaufbau, Giovanni Toti. "Erstens um die Sicherheit zu garantieren, auch wenn das Gebiet bereits geräumt ist und deshalb kein Mensch in Gefahr ist. Zweitens weil ohne den Abriss der Wiederaufbau nicht beginnen kann."

Regierung erwägt Verstaatlichung von Autostrade

Der Brückenbetreiber Autostrade per l'Italia hatte angekündigt, innerhalb von acht Monaten eine neue Autobahn-Brücke zu bauen, sobald eine Genehmigung vorliege. Die Brücke war eine wichtige Verkehrsachse, ohne sie droht ein Verkehrskollaps für lange Zeit.

Durch den Einsturz waren 43 Menschen gestorben. Unter der Brücke liegen einige Wohnhäuser, die bereits evakuiert wurden. Bewohner dürfen auch keine Besitztümer aus den Häusern holen.

Die italienische Regierung erwägt Insidern zufolge eine Verstaatlichung des Autobahnbetreibers. Die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) könnte die Mehrheit an Autostrade per l'Italia übernehmen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Über diesen Schritt werde derzeit in der Regierung diskutiert.

Autostrade per l'Italia, die mehr als die Hälfte aller italienischen Mautstraßen betreibt, gehört derzeit zu 88 Prozent der börsennotierten Holding Atlantia, die von der Unternehmerfamilie Benetton beherrscht wird. Die Familienholding Edizione wollte sich nicht zu einer möglichen Verstaatlichung äußern. Die Finanzpolizei Guardia di Finanza beschlagnahmte am Mittwoch bei Atlantia und Autostrade Unterlagen. Zugleich trat der Verwaltungsrat von Atlantia zu einer Sitzung zusammen.