Nach dem Brückeneinsturz in Genua ist die Zahl der Toten auf 41 gestiegen. Bergungsmannschaften entdeckten unter den Trümmern der eingestürzten Autobahnbrücke ein Autowrack mit drei weiteren Toten. Italienischen Medien zufolge handelt es sich bei den Opfern um eine Familie mit einer neunjährigen Tochter. Die Präfektur von Genua teilte mit, sie habe noch keine Bestätigung für die Berichte. Zudem würden noch mehrere Menschen vermisst.

Am Dienstag war bei einem Unwetter ein Teil des vierspurigen, etwa 1.200 Meter langen Polcevera-Viadukt zusammengestürzt. Womöglich war ein gerissenes Tragseil für den Einsturz der im Jahr 1967 errichteten Brücke verantwortlich.

Angehörige boykottieren Trauerfeier aus Protest

Bei dem Unglück waren etwa 30 Fahrzeuge rund 45 Meter in die Tiefe gestürzt. Die ersten Toten wurden am Freitag beigesetzt. Am Samstag nahmen in Genua rund 3.000 Menschen an einer offiziellen Trauerfeier mit dem örtlichen Erzbischof Kardinal Angelo Bagnasco teil. Neben Staatspräsident Sergio Mattarella und den Spitzen der Regierung waren auch Vertreter von ausländischen Regierungen und dem Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia anwesend.

Während der Trauerfeier rief der Erzbischof der Stadt, Kardinal Angelo Bagnasco, zu Solidarität und menschlicher Nähe auf. "Wir Genueser wissen, aus unseren Herzen das Beste zu holen, wie viel Gutes und Großzügiges in uns lebt, das so oft verborgen ist", sagte Bagnasco unter Beifall der Gottesdienstteilnehmer. Vor Beginn der Trauerfeier waren Angehörige der Feuerwehr, des Roten Kreuzes und des Zivilschutzes mit großem Applaus begrüßt worden.

An der Feier in einer Genueser Messehalle nahmen allerdings nur die Angehörigen von 18 Toten teil. Einige der Hinterbliebenen nahmen an privaten Trauerfeiern in ihren jeweiligen Städten teil. Andere hatten angekündigt, der Veranstaltung aus Trauer und Wut auf die Verantwortlichen fernzubleiben. "Mein Sohn wurde ermordet", sagte der Vater eines von vier bei dem Unglück getöteten Jugendlichen aus Neapel. Neapels Erzbischof Crescenzio Sepe sagte bei der Trauerfeier für die vier Jugendlichen: "Man sollte nicht durch Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit, Oberflächlichkeit und Bürokratie sterben müssen."

Regierung will Brückenbetreiber die Lizenz entziehen

Der heutige Samstag ist in Italien zum Staatstrauertag erklärt worden. Vor öffentlichen Gebäuden wehte die Fahne auf Halbmast – bei den Fußballspielen des Wochenendes tragen die Spieler schwarze Armbinden und legen eine Schweigeminute ein. Die Partien der beiden genuesischen Teams, Sampdoria und Genua, wurden verschoben.

Die italienische Regierung macht den Betreiber der Brücke für den Einsturz verantwortlich und verlangt von ihm, auf Mauteinnahmen zu verzichten. Zudem prüft die Regierung, der Firma die Lizenz zu entziehen sowie Bußgeldforderungen in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro gegen sie zu verhängen. Autostrade hingegen bestreitet die Vorwürfe und gibt an, die Brücke regelmäßig gewartet zu haben. Infolge des Einsturzes wurde für die Region Genua ein zwölfmonatiger Notstand verkündet und sofortige Nothilfen in Höhe von fünf Millionen Euro freigegeben.