Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat seine Schirmherrschaft für den Deutschen Nachbarschaftspreis abgegeben. Für dieses Amt stehe er ab sofort nicht mehr zur Verfügung, twitterte sein Ministerium. Der Schritt folgte auf Kritik der Organisatoren des Preises, die nebenan.de-Stiftung. Sie hatte vor drei Tagen eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie sich von Äußerungen Seehofers in der Flüchtlingspolitik distanzierte. Diese seien mit ihren "Grundsätzen der Toleranz, Mitmenschlichkeit und Offenheit nicht vereinbar", schrieb die Stiftung. Zuvor hatten zwei Initiativen ihre Nominierung für den Preis mit Verweis auf Seehofer abgelehnt.

Seehofer schrieb in einem offenen Brief an den Geschäftsführer der Stiftung, Michael Vollmann, ihm seien Toleranz, Mitmenschlichkeit und Offenheit abgesprochen worden. Die getätigten Aussagen seien diskreditierend gewesen.

Den beiden von ihrer Nominierung zurückgetretenen Initiativen seien Gespräche angeboten worden, teilte das Innenministerium weiter mit. Die Berliner Initiative Moabit hilft und der Kölner Verein wielebenwir hatten ihre Ablehnung mit Seehofers Flüchtlingspolitik begründet. "Er steht für eine Politik, die die Gesellschaft spaltet, die auf Abschottung setzt und die Menschen in Not Hilfe verweigert", teilte wielebenwir in einer Stellungnahme mit.

"Ein bedauernswertes Signal an die Zivilgesellschaft"

In einer ersten Reaktion befürwortete Moabit hilft die Entscheidung Seehofers, seine Schirmherrschaft abzugeben. Die Kritik der Organisatoren sei durch Seehofers "antihumanistische" Äußerungen gerechtfertigt gewesen, sagte die Vorsitzende Diana Henniges. Es sei jedoch traurig, dass sich der Innenminister als Opfer stilisiere, teilte die Initiative auf Twitter mit.

Die nebenan.de-Stiftung bedauerte die Entscheidung des Innenministers. "Den Rückzug Horst Seehofers halten wir für ein bedauernswertes Signal an die Zivilgesellschaft", sagte Vollmann in Berlin. Seine Stiftung habe mit der Verleihung des Preises "den Raum für Dialog zwischen den engagierten Initiativen und dem Schirmherrn aufgemacht. Diesen Raum nun nicht zu betreten, nehmen wir mit Enttäuschung zur Kenntnis."

Seehofer hatte die Schirmherrschaft für den Deutschen Nachbarschaftspreis im März 2018 von seinem Amtsvorgänger Thomas de Maizière übernommen. Mit dem Preis werden seit 2017 Initiativen und Projekte ausgezeichnet, die sich für eine tolerante und lebendige Nachbarschaft einsetzen.