Der israelische Menschenrechtler und Publizist Uri Avnery ist in der Nacht in Tel Aviv gestorben. Dies bestätigte ein Sprecher des Ichilov-Krankenhauses, wo der 94-Jährige nach seinem Schlaganfall Anfang des Monats behandelt worden war. 

Der in Deutschland geborene und in Israel lebende Avnery wurde dem äußeren linken Rand des politischen Spektrums in Israel zugerechnet und kämpfte sein Leben lang für eine Lösung des Nahostkonflikts. Für seinen Einsatz für Dialog und Frieden erhielt er mehrere internationale Auszeichnungen, unter anderen 1997 den Aachener Friedenspreis und 2001 den Alternativen Nobelpreis.

Avnery wurde am 10. September 1923 als Helmut Ostermann im westfälischen Beckum geboren. Er wuchs in Hannover auf und wanderte 1933 mit seiner Familie nach Palästina aus. Mit 15 Jahren trat er der Untergrundorganisation Irgun bei, die er aus Protest gegen deren Terrormethoden vier Jahre später wieder verließ. Im Unabhängigkeitskrieg 1948 wurde er schwer verletzt.

Später gehörte er als Politiker, Parlamentsmitglied, Herausgeber und Publizist zu den lauten Stimmen für einen Frieden in Nahost. 1992 begründete er die Friedensbewegung Gusch Schalom (Friedensblock), die sich bis heute für ein Ende der israelischen Besatzung Palästinas einsetzt. Die Organisation betrieb er gemeinsam mit seiner Frau Rachel. Die Lehrerin und Fotografin starb bereits 2011.

Vielen galt Avnery als Kämpfer für den Frieden, anderen als Verräter der zionistischen Sache. So setzte er sich für die Trennung von Staat und Religion ein, wünschte sich eine hebräische anstelle einer jüdischen Nation. Für Aufsehen sorgte er mit seinem Versuch, vor Israels oberstem Gericht durchzusetzen, dass der Nationalitätseintrag in seiner Identitätskarte von Jüdisch zu Israeli geändert wurde. Damit scheiterte er 2013 aber genauso wie 20 Mitunterzeichner einer entsprechenden Petition.

Avnery schrieb bis zuletzt regelmäßig Analysen für die linksliberale Zeitung Haaretz und kommentierte auch innerisraelische Krisen. Das derzeit diskutierte Nationalitätengesetz kritisierte er als "halbfaschistisch".