Bei einem Luftangriff auf einen Schulbus im Jemen sind laut Huthi-Rebellen mindestens 43 Menschen getötet worden. Mehr als 63 weitere Menschen seien bei dem Bombardement nördlich der Hauptstadt Sanaa verletzt worden, sagte ein Sprecher des von den Rebellen kontrollierten Gesundheitsministeriums. Die meisten der Opfer seien Kinder, die in eine Sommerschule in der Provinz Saada im Norden des Landes fahren sollten, sagte er. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes teilte auf Twitter mit, der Angriff habe sich auf einem Markt in Dahjan in der Region Saada ereignet. "Dutzende Tote und Verletzte" seien in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Für den Angriff machte das Gesundheitsministerium das saudi-arabisch geführte Militärbündnis verantwortlich, das im Jemen die Lufthoheit hat. Saudi-Arabien bestätigte die Angaben wenig später: Bei dem Angriff habe es sich um die Vergeltung für einen Raketenangriff der jemenitischen Rebellen auf die saudi-arabische Stadt Dschisan am Vortag gehandelt, hieß es in einer Stellungnahme, die von der saudischen Nachrichtenagentur SPA veröffentlicht wurde. Demnach handele es sich um einen "legitimen Militäreinsatz", hieß es weiter.

Seit mehr als drei Jahren bombardiert das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis Stellungen der Huthi-Rebellen im Jemen. Seitdem starben in dem Krieg nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mehr als 10.000 Menschen, unter ihnen viele Zivilisten. Bei den Angriffen wurden unter anderem Hochzeitsgesellschaften getroffen, Menschen auf Trauerfeiern getötet oder auf belebten Märkten. Auch Schulen, Krankenhäuser und Moscheen wurden in der Vergangenheit bombardiert. Die saudische Führung verteidigte die Angriffe immer wieder mit dem Argument, Rebellen würden zivile Einrichtungen wie Schulen in Kommandozentralen und Waffenlager umwandeln.  

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef äußerte sich unterdessen besorgt über Berichte getöteter Kinder. Erst am Donnerstag vergangener Woche waren ein Krankenhaus und ein Fischmarkt in der von Rebellen kontrollierten jemenitischen Hafenstadt Hodeida Ziele von Luftangriffen. Laut Rotem Kreuz wurden mindestens 55 Zivilisten getötet und 170 weitere verletzt. Die Militärkoalition um Saudi-Arabien wies die Verantwortung von sich.

Die saudisch angeführte Militärkoalition kämpft an der Seite der international anerkannten Regierung des Landes. Die Huthi-Rebellen kontrollieren weite Teile im Norden des Jemen sowie die Hauptstadt Sanaa. Erst vor einer Woche hatte der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, die ersten Friedensgespräche seit zwei Jahren angekündigt. Bis zum 6. September wolle er die Konfliktparteien nach Genf einladen. Hilfsorganisationen bezeichnen die Lage in dem armen Land als derzeit größte humanitäre Krise weltweit.