Jüdische Jugendliche und muslimische Geflüchtete aus Deutschland haben in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am Mittag hielten sie eine interreligiöse Feier in dem ehemaligen Konzentrationslager der Nazis ab. Anschließend wurde ein Kranz niederlegt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bekannte sich zur Verantwortung von deutschen Muslimen für ihr Land. Auschwitz als "Ort des unbeschreiblichen menschlichen Leids ist ein furchterregendes Symbol für die Entrechtung, Entmenschlichung und Verfolgung von Millionen Menschen, für den von Deutschen begangenen Zivilisationsbruch, der Schoah", sagte Mazyek laut Redemanuskript. "Wir deutschen Muslime bekennen damit, uns für den Erhalt unseres Rechtsstaates einzusetzen, wir bekennen uns zu unserer freiheitlichen Demokratie, zu unserer von Vielfalt geprägten, pluralen Gemeinschaft in Deutschland."

Weiter sagte Mazyek, es müsse alles unternommen werden, "damit sich eine derartige Katastrophe wie die Schoah niemals wiederholen kann. Weder in unserem Land noch sonst wo auf dieser Welt." Mazyek sagte: "Jede Form von Antisemitismus, gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit und Rassismus ist eine Sünde im Islam." Er wandte sich zudem gegen "Schlussstrich"-Forderungen: "Mit uns wird es diesen Relativismus, diesen Hang zur Geschichtsvergessenheit nicht geben und mag er sich noch so billig der Meinungsfreiheit bedienen und sich als intellektuelles Schwert maskieren."

Der frühere Landesrabbiner Henry G. Brandt appellierte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unabhängig von der Religionszugehörigkeit zuerst den Menschen in einem Gegenüber zu sehen. Alle Menschen seien als Ebenbild Gottes erschaffen worden. Sie sollten nicht zuerst über ihre Herkunft oder religiöse Zugehörigkeit definiert werden, sondern man solle erkennen: "Er ist ein Mensch." Weiter zeigte sich Brandt "tief beeindruckt, dass Muslime und Juden hier zusammen sind".  

"Anfang eines friedlichen Zusammenlebens in Deutschland"

Die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der einwöchigen Reise nach Polen, die an diesem Freitag zu Ende geht, kommen aus Thüringen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Die Geflüchteten stammen aus Syrien und dem Irak. An der Feier und Kranzniederlegung nahmen auch die Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Linke), und Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), sowie die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) teil. Es ist ein Projekt der Union progressiver Juden in Deutschland und des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Vor der Reise hatte die Generalsekretärin der Union progressiver Juden, Irith Michelsohn, gesagt, es gebe nun die Chance, dass sich junge Menschen verschiedener Religionen austauschten. "Dies kann der Anfang eines friedlichen Zusammenlebens in Deutschland werden."