Viele Politiker haben mit Bestürzung auf die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz reagiert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kritisierte die rechte Instrumentalisierung der "tragischen Geschehnisse" vom Samstagabend. "Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird", schrieb er. Der Sachverhalt müsse umfassend aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. "Dazu brauchen wir ein umfassendes Bild von den Geschehnissen und keine Mutmaßungen, Spekulationen und Gerüchte."

In der Nacht zu Sonntag war es am Rande eines Stadtfests in der Chemnitzer Innenenstadt zu einer Auseinandersetzung gekommen. Ein 35-Jähriger starb durch Stichverletzungen. Rechte Gruppierungen, darunter Hooligans, hatten deshalb am Sonntag zu einer Demonstration aufgerufen. Es kam zu Jagdszenen, Rechtsextreme beschimpften und hetzten Migranten durch die Stadt. Es soll Verletzte gegeben haben.

Die Hintergründe der Auseinandersetzung auf dem Stadtfest sind ungeklärt. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft  Haftbefehle gegen einen 23-jährigen Syrer und einen 22-jährigen Iraker wegen gemeinschaftlichen Totschlags beantragt.

Bundesregierung verurteilt Übergriffe

Die Bundesregierung verurteilte die Ausschreitungen deutlich. "Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. 

Sachsens Innenminister Roland Wöller nannte die Situation "unerträglich". Er wird am Nachmittag in Chemnitz die Bürgermeisterin besuchen. Grüne und Linke sehen eine Mitverantwortung bei der Polizei an der Eskalation der Lage. Es fehle seit Jahren eine klare Haltung und man habe jene gewähren lassen, die hetzten und zündelten, sagte die sächsische Grünen-Chefin Christin Melcher in Dresden.

Die Linken-Politikerin Kerstin Köditz sagte: "Warum hat man so lange gebraucht, um genügend Einsatzkräfte herzubringen? Wenn Informationen durchsickern, dass es am Rande eines Stadtfestes einen Toten gab, dann hätte die Polizei eigentlich Gewehr bei Fuß stehen müssen – bei all dem Alkohol, der bei solchen Gelegenheiten konsumiert wird", so Köditz.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) zeigte sich im MDR entsetzt von den fremdenfeindlichen Ausschreitungen. "Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm." 

Für den Abend rechnet die Polizei mit weiteren Kundgebungen und Demonstrationen von rechten Gruppierungen. Auch Gegendemonstranten haben sich angekündigt.