Wegen ständiger Drohungen hat der Verband für Menschenrechte (ANPDH) in Nicaragua seine Büros geschlossen. Man sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu garantieren, teilte die Organisation mit. Demnach habe es Todesdrohungen per Telefon gegeben, das Büro in der Hauptstadt Managua sei von Bewaffneten belagert worden.

Der ANPDH hatte während der seit Monaten anhaltenden Krise in dem mittelamerikanischen Land immer wieder über Menschenrechtsverletzungen der Regierung des linksgerichteten Staatschefs Daniel Ortega berichtet. Die Organisation veröffentlichte regelmäßig Berichte zur Zahl der Toten, Verletzten und Vermissten und kritisierte die gewaltsame Niederschlagung der Proteste öffentlich.

Die Proteste gegen Ortega waren Mitte April durch die Ankündigung einer Sozialversicherungsreform ausgelöst worden. Seitdem geht die Polizei gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Dabei wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bereits mehr als 440 Menschen getötet.

Zwar wurden die geplanten Rentenkürzungen durch die Regierung zurückgezogen, die Proteste richten sich inzwischen jedoch grundsätzlich gegen den autoritären Regierungsstil Ortegas und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo.