Fast zwei Jahre nach den Sprengstoffanschlägen auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden ist der Angeklagte Nino K. zu neun Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht in der sächsischen Hauptstadt sprach den 31-Jährigen unter anderem wegen versuchten Mordes, Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und versuchter besonders schwerer Brandstiftung schuldig. Der Monteur hatte zugegeben, die Rohrbomben gebaut und gezündet zu haben, eine Tötungsabsicht aber bestritten.

Der Vorsitzende Richter Herbert Pröls sprach in seiner Urteilsbegründung von einem "kruden Nationalismus" und einer "aggressiven, extrem gewaltbereiten Fremdenfeindlichkeit" des Angeklagten, die sich insbesondere gegen Menschen muslimischen Glaubens richte. K., der anfangs bei der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung in Dresden mitgelaufen sei, habe sich zunehmen radikalisiert, was schließlich in einen "Anschlag mit politischer Zielsetzung" gemündet habe.

K. soll am 26. September 2016 selbstgebaute Rohrbomben vor der Fatih-Moschee gezündet haben. Laut Experten war die Familie des Imams nur durch Zufall mit dem Schrecken davongekommen. Wenig später explodierte am Internationalen Congress Centrum ein weiterer Sprengsatz, auch der soll vom Beschuldigten stammen. Die Anschläge erfolgten kurz vor der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden.

Ein 4,6 Kilogramm schwerer Spreng- und Brandsatz, den die Ermittler zweieinhalb Monate später im Zuge seiner Verhaftung in K.s Wohnung fanden, war nach seinen Angaben als Silvesterfeuerwerk gedacht. Dies hielt das Gericht aber nicht für glaubhaft. Er räumte vor Gericht auch die Herstellung zweier weiterer Sprengsätze ein, die später unter anderem in der Elbe gefunden wurden.

Zufall, dass nichts Schlimmeres passierte

Pröls sprach von einer "relativ perfiden Vorgehensweise". Die Sprengwirkung der Rohrbomben mit Splittern sei vom Angeklagten noch durch Chemikalien verstärkt worden. "Das steht im Widerspruch zur Aussage des Angeklagten, er habe nicht vorgehabt, jemanden zu verletzen oder zu töten", sagte der Vorsitzende Richter.

Es habe allein am Zufall gelegen, dass nichts Schlimmeres passiert sei. Seine Aussage, er sei davon ausgegangen, dass in der Moschee niemand gewohnt habe, sei nicht glaubhaft. Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht die vom Angeklagten vorgetragene Entschuldigung.

Auf der anderen Seite stünden die Heimtücke und die niederen Beweggründe, mit denen die Verurteilung wegen versuchten Mordes gerechtfertigt sei. Die Familie des Imams werde "der Anschlag wahrscheinlich ein Leben lang beschäftigen", sagte Pröls. Er wertete den Anschlag auf die Religion auch als Anschlag auf die gesamte Gesellschaft. "Der Anschlag auf ein religiöses Gebäude ist immer auch ein inhumaner Akt, egal ob Menschen gefährdet werden." Das sei schließlich "der Fundus, auf dem Gesellschaften basieren".

Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Generalstaatsanwaltschaft, die in ihrem Plädoyer zehn Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert. K.s Anwältin kündigte an, gegen das Urteil Revision einzulegen.