Experten der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) werden zum zweiten Mal nach Großbritannien reisen und ihre Untersuchung zu den Nowitschok-Vergiftungsfällen ausweiten. Dies geschehe auf Bitten der britischen Regierung, teilte die Organisation mit. Demnach solle ein OPCW-Team weitere Proben sammeln. Die Untersuchungsergebnisse würden an die britischen Behörden weitergegeben. Die OPCW arbeitet unabhängig. In der Mitteilung heißt es einmal mehr, ihre Untersuchungen würden getrennt von denen der britischen Behörden erfolgen.

Schon einmal hat die Regierung in London die OPCW um die Entsendung eines Teams gebeten. Damals ging es um die Giftattacke auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julija. Sie kamen im März im britischen Salisbury mit dem Gift in Kontakt, wurden ohnmächtig aufgefunden und wochenlang im Krankenhaus behandelt. Ermittler fanden eine große Menge des Giftstoffes an Sergej Skripals Wohnungstür. Zudem nahmen Ermittler Proben an mehreren Orten in der Stadt.

Ende Juni wurde im südenglischen Amesbury, unweit von Salisbury, ein weiterer Vorfall mit dem Gift Nowitschok gemeldet: Ein Mann und seine Partnerin waren mit dem Gift in Berührung gekommen, die Frau starb später daran. Der Mann sagte später aus, er habe seiner Partnerin eine Kosmetikflasche geschenkt, die er zuvor gefunden hatte. Das Fläschchen sei später in seiner Hand zerbrochen, sagte er in einem Interview.

Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass das Paar aus Amesbury den Nowitschok-Resten des Anschlags auf die Skripals ausgesetzt waren. 

Russland kritisiert Ermittlungen

Nowitschok ist ein Giftstoff, der in der ehemaligen Sowjetunion entwickelt worden war. Großbritannien machte Russland bereits wenige Tage nach dem Angriff auf die Skripals für die Tat verantwortlich und ließ ein OPCW-Team ins Land, das unabhängig ermitteln sollte. Anfang Mai teilte die Organisation mit, die "Untersuchungsergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie" könnten bestätigt werden. Auch habe es sich um ein Gift "von großer Reinheit, langlebig und wetterbeständig" gehandelt.

Die Regierung in Moskau hat stets dementiert, etwas mit dem Angriff auf die Skripals zu tun zu haben. Die Untersuchungen der britischen Behörden sowie der OPCW will Russland nicht akzeptieren, solang eigene Ermittler von dem Fall ausgeschlossen seien. Auch kritisierte die russische Regierung, der OPCW-Bericht sei unvollständig gewesen.

Am Montag berichtete der britische Guardian, die britische Regierung wolle in einem nächsten Schritt um die Auslieferung zweier russischer Verdächtiger bitten. Staatsanwälte hätten das Auslieferungsgesuch bereits vorbereitet, hieß es unter Berufung auf Regierungs- und Sicherheitskreise. Demnach sind die Russen verdächtig, den Anschlag auf die Skripals ausgeübt zu haben.