Beim Onlinedating schauen die meisten Menschen nach Partnern, die attraktiver sind als sie selbst. Die Mehrheit suche Menschen, die "außerhalb ihrer Liga spielen", wie es US-Forscher im Fachblatt Science Advances nennen. Männer und Frauen, so die Bilanz der Studie, schreiben bei der Onlinepartnersuche Menschen an, die im Durchschnitt um 25 Prozent attraktiver sind als sie selbst. 

Die Soziologin Elizabeth Bruch und der Physiker Mark Newman von der Universität Michigan hatten für die neue Studie untersucht, welche Strategien heterosexuelle Menschen beim Onlinedating verwenden. Dafür stuften sie die Attraktivität von Nutzern eines Onlinenetzwerks aus New York, Boston, Chicago und Seattle nach einem bestimmten Bewertungsmechanismus ein. Grundlage war die Anzahl von Nachrichten, die ein Mensch auf eine Anzeige erhielt, und die Attraktivität derjenigen Menschen, die ihnen Nachrichten schrieben. "Wenn man von jemandem kontaktiert wird, der attraktiv ist, dann ist man vermutlich auch selbst attraktiver", erläutern die Autoren. 

Im Ergebnis erhielten sie eine Attraktivitätshierarchie der Nutzer. "Anstatt uns auf Schätzungen zu verlassen, um herauszufinden, was Menschen anziehend finden, erlaubt uns dieser Ansatz, Attraktivität danach zu messen, wer die meiste Aufmerksamkeit von wem bekommt", erklärt Physiker Newman.

Da beziehungswillige Menschen im Netz der Studie zufolge viele und längere Nachrichten an Menschen "außerhalb ihrer Liga" schreiben, blieben die Nachrichten oft unbeantwortet. Das sei eine häufige Beschwerde der Nutzer von Onlinedating-Seiten. "Doch obwohl die Rücklaufquote niedrig ist, zeigt unsere Analyse, dass 21 Prozent der Menschen, die ein derartig ehrgeiziges Verhalten an den Tag legen, eine Antwort von jemandem bekommen, der attraktiver ist", sagt Bruch. "Beharrlichkeit zahlt sich also aus."

Nach der ersten Phase der Partnerwerbung wird Attraktivität weniger wichtig

Eichenberg fügt hinzu: "Anscheinend haben die Suchenden weniger Scheu, da die Kränkung einer potenziellen Ablehnung online weniger drastisch ist, als sie es in einer Situation von Angesicht zu Angesicht wäre." Im schlimmsten Fall bekomme man im Internet einfach keine Antwort. Onlinedating vermittele das Gefühl, ständig neue Kontakte anbahnen zu können, sagt Eichenberg: "Wieso sollte man es dann nicht mit dem 'Besten' versuchen?"

Die US-Wissenschaftler verglichen zudem die Attraktivitätshierarchie mit den Eigenschaften der Nutzer. So war etwa ein Ergebnis, dass bis zum Alter von 50 Jahren ältere Männer höhere Attraktivitätswerte hatten als jüngere. Bei Frauen nahm dieser Wert hingegen im Alter von 18 bis 60 Jahren kontinuierlich ab. Die Attraktivität sei jedoch nur in der ersten Phase der Partnerwerbung bedeutend. Andere Studien hätten gezeigt, dass einzigartige Charakterzüge im weiteren Verlauf immer wichtiger würden. 

Zudem seien die Vorstellungen von Partnerschaften stark kulturabhängig. So müsste etwa überprüft werden, ob die Ergebnisse von Bruch und Newman beispielsweise auf Deutschland übertragbar wären oder auf Menschen, die auf dem Land lebten, und ob diese unter Umständen in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich ausfielen.