Papst Franziskus hat den sexuellen Missbrauch von mehr als 1.000 Kindern durch katholische Priester in den USA als "abscheulich" verurteilt. "Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten", schrieb der Argentinier in einem Brief an alle Gläubigen. Die Kirche habe den Schmerz der Missbrauchsopfer zu lange ignoriert.

"Auch wenn die Mehrzahl der Fälle der Vergangenheit angehört, können wir feststellen, dass die zugefügten Verletzungen niemals verschwinden", schrieb der Papst weiter. Rückblickend um Verzeihung zu bitten, sei aber nie genug. Die Kirche müsse nun ihre harten Lehren aus der Vergangenheit ziehen und ein Umfeld schaffen, in dem so etwas künftig weder wiederholt noch verschleiert werden könne.

Mit seinem Schreiben bezog sich der Papst auf einen Bericht aus Pennsylvania, demzufolge mehr als 1.000 Kinder durch 300 Priester missbraucht und vergewaltigt wurden. Die dokumentierten Missbrauchsvorfälle erstrecken sich über die letzten 70 Jahre in sechs der acht Diözesen in dem US-Bundesstaat.

Der Papst steht seit den Missbrauchsskandalen in den USA, Irland, Chile, Australien und Deutschland stark unter Druck. So wird ihm immer wieder vorgeworfen, zwar eine Null-Toleranz-Linie zu verkünden, diese aber nicht durchzusetzen. Derzeit arbeitet Franziskus mehrere Missbrauchsfälle auf: Er nahm mehrere Rücktrittsgesuche von Klerikern an und versucht seit Monaten Vertrauen zurückzugewinnen, das er bei seiner Chile-Reise im Januar verspielt hatte. Dort hatte er einen Bischof in Schutz genommen, der Sexualdelikte vertuscht haben soll.