Vier Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot sind von der Polizei überraschend freigelassen worden. Das gab der Musiker Pjotr Wersilow auf Twitter bekannt. "Frei nach 16 Tagen unter Arrest", schrieb er dort. Er und die drei Künstlerinnen Veronika Nikulschina, Olga Kuratschewa und Olga Pachtusowa waren beim Finale der Fußballweltmeisterschaft Mitte Juli in Moskau auf das Spielfeld gerannt, um gegen die Unterdrückung politisch Andersdenkender in Russland zu protestieren.

Bei der Partie zwischen Frankreich und Kroatien war auch Russlands Präsident Wladimir Putin im Stadion. Er und Millionen Fernsehzuschauer weltweit sahen, wie die Aktivistinnen und Aktivisten in Polizeiuniformen auf das Spielfeld rannten.  

Wegen der Aktion sind die Mitglieder von Pussy Riot mit einer Vielzahl von Anklagen konfrontiert. Sie wurden bereits zu 15 Tagen Haft verurteilt. Unmittelbar nachdem sie diese Strafe verbüßt hatten und am Montag aus der Haft entlassen worden waren, hatten Polizeibeamte sie erneut festgenommen.

Die vier Bandmitglieder verbrachten daraufhin eine Nacht in Polizeigewahrsam und wurden am Dienstag in Moskau einem Richter vorgeführt. Dieser weigerte sich nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass aber, den Fall anzuhören, und gab alles dazugehörige Material an die Polizei zurück. Die Musiker wurden zu einer Wache gebracht und kurz nach Mitternacht freigelassen.

Freitag müssen sie erneut bei der Polizei erscheinen

Wersilow veröffentlichte auf Twitter auch ein Foto, auf dem alle vier auf einem Parkplatz tanzen. Nach eigenen Angaben müssen die Aktivisten am Freitag aber erneut auf der Polizeiwache erscheinen und könnten weiterhin zu zusätzlichen 25 Tagen Haft verurteilt werden.

Die Punkrockband ist vor allem für eine Protestaktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale im Jahr 2012 bekannt: Dort hatte sie ein "Punkgebet" aufgeführt, in dem sie Präsident Putin offen kritisierte. Wegen Rowdytums und Aufwiegelung zu religiösem Hass wurden drei Bandmitglieder zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. Bei Jekaterina Samuzewitsch wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt, Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina kamen nach 22 Monaten frei.