Mehrere EU-Länder haben eine Lösung für das Rettungsschiff Aquarius und die 141 Flüchtlinge an Bord gefunden: Nach Angaben der Regierung von Malta darf das Schiff nun doch in einem maltesischen Hafen anlegen. Anschließend würden die Migranten auf Malta und weitere EU-Länder verteilt: 60 Menschen sollen nach Spanien gebracht werden, 30 weitere nach Portugal. Auch Deutschland, Frankreich und Luxemburg haben sich nach Angaben der Regierung in Malta bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen.

Das Bundesinnenministerium teilte am Abend mit, Deutschland werde bis zu 50 Migranten aufnehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer habe das "aus Gründen der Humanität" entschieden, teilte sein Ministerium mit. Deutschland habe sich unter der Voraussetzung, dass auch andere Staaten helfen, bereit erklärt, Malta zu unterstützen. Ein Sprecher des Ministeriums sagte weiter: "Der zukünftige Umgang mit aus Seenot geretteten Migranten bedarf allerdings einer baldigen europäischen Lösung und der solidarischen Beteiligung aller Mitgliedsstaaten."

Malta spricht von "Entgegenkommen"

Zuvor hieß es vonseiten der maltesischen Regierung, vorausgegangen seien der Abmachung Verhandlungen zwischen Malta und Frankreich. Auch die EU-Kommission habe ihren Beitrag dazu geleistet, dass nun mehrere EU-Länder Migranten aufnehmen werden, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Weiter sprach die Regierung Maltas von einem "Entgegenkommen", "obwohl es keine rechtliche Verpflichtung dazu" gegeben habe.

Es sei das zweite Mal, dass ein freiwilliger Verteilungsmechanismus eingerichtet werde. Damit verwies die Regierung auf den Fall des Rettungsschiffs Lifeline, das fast eine Woche auf dem Meer blockiert war, nachdem es rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte. Erst nach der Vereinbarung, dass die Migranten unter EU-Ländern aufgeteilt werden, erlaubte Malta im Juni die Einfahrt in einen Hafen.

Nach Angaben der spanischen Zeitung El País sieht die Einigung auch die Verteilung von weiteren 100 Migranten vor, die sich derzeit auf dem Mittelmeer befinden. Die portugiesische Regierung hatte zuvor ebenfalls von insgesamt 244 Migranten gesprochen.

Die Aquarius war seit Freitag im Mittelmeer unterwegs, zuletzt vor den Küsten Italiens und Malta. Auch sie hatte Migranten von Booten vor der libyschen Küste gerettet. Seitdem warteten die Betreiber des Schiffs auf die Zuweisung eines sicheren Hafens innerhalb der EU. Doch sowohl Italien als auch Malta weigerten sich, Spanien und Frankreich argumentierten, der nächste sichere Hafen für das Schiff liege in anderen EU-Ländern. Am Montag versuchte auch die EU-Kommission zu vermitteln und einen sicheren Hafen für die Menschen an Bord zu finden. 

Anfang Juni hatten Malta und Italien die Aquarius schon einmal zurückgewiesen – mit damals 630 Flüchtlingen an Bord. Nach einer Woche erklärte sich Spanien schließlich bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. Auch damals wurde ein Teil der Migranten nach Frankreich gebracht.

An Bord der Aquarius waren diesmalvor allem Menschen aus Somalia und Eritrea. Die Hälfte von ihnen ist minderjährig. Betrieben wird das Rettungsschiff von den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée. Noch fährt es unter der Flagge Gibraltars, doch hat das britische Überseegebiet angekündigt, dem Schiff am 20. August die Flagge entziehen zu wollen. Man habe das Schiff vor wenigen Wochen aufgefordert, den Einsatz als Rettungsschiff einzustellen und wieder zum registrierten Status – als Vermessungsschiff – zurückzukehren. Laut SOS Méditerranée gibt es einen Einspruch gegen das Vorhaben – die Organisation warf Gibraltar vor, politische Absichten zu verfolgen.

Open Arms darf wieder auslaufen

Unterdessen darf das Rettungsschiff Open Arms nach einem ersten Verbot und mehrtägiger Ungewissheit den Hafen der südspanischen Stadt Algeciras verlassen. Das Schiff sei am Dienstag ausgelaufen, teilten die spanischen Seenotretter mit. Man wolle nun zunächst in Barcelona einen Besatzungsaustausch vornehmen und anschließend die Rettungsaktivitäten im Mittelmeer wieder aufnehmen, teilte die Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms mit.

Neben der Aquarius ist die Open Arms derzeit das einzige zivile Rettungsschiff, das im Mittelmeer Migranten rettet. Am Donnerstag vergangener Woche hatte das Schiff 87 vor der libyschen Küste gerettete Migranten nach Spanien gebracht. Am Samstag hatten die Behörden die Seenotretter dann am Auslaufen gehindert. Nach einer Inspektion habe das Schiff zunächst die Erlaubnis erhalten, seine Reise fortzusetzen, hatte der Gründer der Organisation Oscar Camps auf Twitter erklärt. Als das Schiff bereits außerhalb der Bucht von Algeciras war, sei es angewiesen worden, in den Hafen zurückzukehren. Eine Behördensprecherin wurde von der Nachrichtenagentur Europa Press mit den Worten zitiert, man habe noch Fragen in Bezug auf die Besatzung klären wollen.