Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen vom Sonntag bereitet sich die Polizei in Chemnitz auf neue Kundgebungen vor. Im Internet gebe es verschiedene Aufrufe zu Demonstrationen, sagte eine Sprecherin. Derzeit liefen Planungen, wie damit umgegangen werden solle.

Am Sonntag war es zu Jagdszenen auf Migranten gekommen, nachdem am Tag zuvor ein 35-Jähriger bei einer Auseinandersetzung tödlich verletzt wurde. Der Polizei zufolge waren rund 800 Menschen dem Aufruf zu einer Demo gefolgt. Die Demonstranten hätten keinerlei Kooperationsbereitschaft gezeigt und seien durch die Innenstadt gezogen, teilte die Polizei mit. Zu den Organisationen, die zu Protesten aufgerufen haben, gehört die rechtsextreme Hooligangruppe Kaotic Chemnitz. Der Verfassungsschutz stuft die Gruppe als rechtsextrem ein.

Die Bundesregierung verurteilte die Ausschreitung am Montag deutlich. "Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Chemnitz - Haftbefehl gegen Tatverdächtige erlassen Auf einem Chemnitzer Stadtfest ist ein Mann getötet worden. Rechtsextreme nutzten die Tat als Vorwand für fremdenfeindliche Übergriffe. © Foto: Andreas Seidel/dpa-Zentralbild/dpa

Keine Vorkommnisse in der Nacht

Nach der Eskalation vom Sonntag laufen Ermittlungen. Neue Erkenntnisse gab es am Montagmorgen laut Angaben der Polizei nicht. In der Nacht habe es keine weiteren Vorkommnisse gegeben. 

Hintergrund der Demonstration war ein Streit in der Nacht zum Sonntag nach dem Chemnitzer Stadtfest. Ein 35-jähriger Deutscher war im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. An dem Streit waren nach ersten Ermittlungen der Polizei maximal zehn Personen mehrerer Nationalitäten beteiligt. Die Polizei dementierte Gerüchte, wonach es einen zweiten Todesfall gegeben habe.

"Die furchtbare Straftat beim Chemnitzer Stadtfest muss jetzt mit aller Konsequenz und ohne Vorverurteilungen und Mutmaßungen aufgeklärt werden", so Martin Dulig, Vorsitzender der SPD Sachsen. "Selbstjustiz, Mutmaßungen und Gerüchtemacherei sind nach der tödlichen Messerattacke fehl am Platz."

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) zeigte sich im MDR entsetzt von den fremdenfeindlichen Ausschreitungen. "Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm."

In sozialen Netzwerken sind Aufnahmen zu sehen, wie Kundgebungsteilnehmer andere Menschen bedrohen. "Ein schrecklicher Mord, dessen Hintergründe unklar sind, wird in Chemnitz aufs Widerlichste für rassistische Ausschreitungen instrumentalisiert", twitterte die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner. Die Linken-Politikerin Kerstin Köditz kritisierte die Polizei: "Warum hat man so lange gebraucht, um genügend Einsatzkräfte herzubringen? Wenn Informationen durchsickern, dass es am Rande eines Stadtfestes einen Toten gab, dann hätte die Polizei eigentlich Gewehr bei Fuß stehen müssen – bei all dem Alkohol, der bei solchen Gelegenheiten konsumiert wird", so Köditz.