Das ungarische Migrationsamt hat laut Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtlern die umstrittene Praxis beendet, abgelehnte Asylsuchende in den Transitzonen an der Grenze zu Serbien hungern zu lassen. "Die Betroffenen werden wieder normal versorgt", sagte András Léderer vom ungarischen Helsinki-Komitee. Betroffen waren Asylbewerberinnen und Asylbewerber in zwei sogenannten Transitzonen unmittelbar an der serbischen Grenze. Ihnen hatte das Amt unter Berufung auf neue Gesetze die Versorgung mit Nahrungsmitteln verweigert.

Das Helsinki-Komitee war in sieben Fällen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gezogen. Das Gericht verpflichtete das ungarische Migrationsamt dazu, die Betroffenen mit Essen zu versorgen.

"Das Ungarische Helsinki-Komitee begrüßt die positive Wendung", hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Ohne eine Änderung der "schlechten, unmenschlichen Rechtsvorschriften" blieben die Unsicherheit und die Gefahr des Aushungerns aber bestehen.

Das Komitee warf dem Migrationsamt vor, es wolle Menschen durch Hunger dazu zwingen, vor dem Ablauf des Verfahrens das Land zu verlassen. Da sie die Transitzonen nur nach Serbien verlassen dürfen, hätten sie keine andere Möglichkeit gehabt, um sich zu versorgen. Kinder der Betroffenen und eine stillende Mutter hätten zwar Nahrung bekommen, seien aber während der Mahlzeiten von den anderen getrennt worden, um das Essen nicht teilen zu können.

Seit dem 1. Juli gilt in Ungarn ein verschärftes Asylrecht. Darin wird Serbien als sicherer Drittstaat eingestuft. Wer Ungarn von dort aus betritt, dessen Asylantrag wird nun automatisch abgelehnt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Regelung, da sie gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt. Unter anderem deshalb hat die EU-Kommission Ungarn vor dem Europäischen Gerichtshof angeklagt.