Genua - Die schwierige Suche nach den Verunglückten Die italienische Feuerwehr hat die eingestürzte Brücke mit Luftaufnahmen dokumentiert. Sie zeigen, wie mühevoll die Suche nach Überlebenden ist. © Foto: Vigili del Fuoco

Der Betreiber der eingestürzten Autobahnbrücke in Genua hat abgestritten, das Bauwerk unzureichend überwacht zu haben. Man habe die Brücke entsprechend den gesetzlichen Vorgaben vierteljährlich kontrolliert, teilte das Unternehmen Autostrade mit. Man habe sogar zusätzlich geprüft, wobei modernste Technologie genutzt und externe Experten hinzugezogen worden seien. Das Ergebnis dieser Kontrollen sei die Grundlage für das Wartungsprogramm gewesen, das die Regierung abgesegnet habe.

Zuvor hatte der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli die Führung der Betreibergesellschaft zum Rücktritt aufgefordert. Zugleich kündigte er an, dem Unternehmen die Lizenz zum Betrieb der Straße zu entziehen und es mit Strafzahlungen von bis zu 150 Millionen Euro zu belegen. "Autostrade per l'Italia war nicht in der Lage, die Verpflichtungen aus dem Vertrag zur Verwaltung der Infrastruktur zu erfüllen", sagte Toninelli dem staatlichen Sender Rai 1.

Innenminister Matteo Salvini hatte angekündigt, die Verantwortlichen für das Unglück zur Rechenschaft zu ziehen. Er kritisierte, dass wegen der Defizitregeln der EU Gelder nicht eingesetzt werden könnten, auch wenn sie der Sicherheit dienten. Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte bei einem Besuch am Unglücksort eine Überprüfung der "gesamten Infrastruktur" im Land gefordert. "Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine solche Tragödie wiederholt", sagte er.

Der Chef der Zivilschutzbehörde hat inzwischen 39 Todesopfer bestätigt. 15 Personen seien verletzt worden. Einen Tag nach dem Einsturz der Brücke sind noch immer Autos in den Trümmern zu sehen. Das sagte Federica Bornelli vom Roten Kreuz. Auf die Frage, ob es noch Hoffnung auf Überlebende gebe, sagte Bornelli, dass daran gearbeitet werde, alles möglich zu machen, was möglich ist.

Die Bergungsarbeiten gestalten sich schwierig: Ein einziges Auto zu bergen habe vier bis fünf Stunden gedauert. An jeder Stelle müsse das Sicherheitsrisiko für die Einsatzkräfte neu bewertet werden, erst dann könne man sich an die Arbeit machen. "Die Arbeit ist in mentaler und physischer Hinsicht sehr anstrengend", sagte Bornelli.

Regierung will Staatstrauer anordnen

Die italienische Regierung will für die mehr als 40 Toten des Brückeneinsturzes von Genua eine nationale Staatstrauer ausrufen. Das kündigte der Präsident der Region Ligurien, Giovanni Toti, an. Wann und wie lange diese gelten soll, blieb unklar. 

Während eines schweren Unwetters war am Dienstagmittag die sogenannte Morandi-Brücke der Autobahn 10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. Etwa 30 Fahrzeuge waren zu der Zeit auf der Brücke unterwegs und stürzten teilweise in die Tiefe.