Brasiliens Regierung hat 120 Soldaten an die Grenze zum Nachbarland Venezuela geschickt. Am Samstag war es in zwei Flüchtlingscamps zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen brasilianischen Einwohnern und Flüchtlingen aus Venezuela gekommen.

Die Lager im brasilianischen Grenzort Pacaraima waren von aufgebrachten Einwohnern angegriffen und teilweise zerstört worden. Grund für die Ausschreitungen war nach Angaben von Behörden und lokalen Medien ein Raubüberfall auf einen brasilianischen Händler, für den venezolanische Flüchtlinge verantwortlich gemacht wurden. Zelte von rund 2.000 Flüchtlingen sollen in Brand gesetzt worden sein. Nach Informationen der brasilianischen Militärpolizei wurden bei den Ausschreitungen drei Brasilianer verletzt. Zu Opfern unter den Venezolanern lagen keine Angaben vor.

Am Sonntag hatte Brasiliens Präsident Michel Temer angesichts der angespannten Lage in der Grenzregion eine Dringlichkeitssitzung mit den Ministern für Verteidigung, öffentliche Sicherheit und Außenpolitik abgehalten.  

Mehr als 1.200 der Flüchtlinge aus Venezuela seien nach den Ausschreitungen zu Fuß zurück in ihr Heimatland geflohen, teilte der Sprecher einer für Migration zuständigen brasilianischen Sondereinheit mit. Die Grenzstadt Pacaraima liegt auf dem Hauptfluchtweg aus Venezuela in den brasilianischen Bundesstaat Roraima.

Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres haben etwa 16.000 Venezolaner eine Aufenthaltsgenehmigung in Roraima beantragt; sie fliehen vor dem wirtschaftlichen und politischen Chaos in ihrer Heimat. Zehntausende haben sich auch in andere Länder wie Kolumbien geflüchtet. Dort soll künftig ein US-Lazarettschiff Geflüchtete aus Venezuela versorgen.

Eine Million Liter Treibstoff für umgerechnet einen Euro

Hyperinflation, Nahrungsmittelknappheit und mangelnde Strom- und Wasserversorgung zwingen viele Venezolaner, das Land zu verlassen – seit 2017 sind mehr als 127.000 Menschen aus Venezuela geflohen. Nur eine Ressource war bislang günstig erhältlich – Benzin. 

Doch auch das soll sich nun ändern: Präsident Nicolás Maduro gab bekannt, dass die sozialistische Regierung den Preis für Benzin innerhalb von zwei Jahren auf ein internationales Niveau anheben wolle: "Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren diese Missbildung beenden, die über lange Zeit gewachsen ist: Wir haben das Benzin praktisch verschenkt." Derzeit erhält man in Venezuela für den Preis von umgerechnet einem Euro rund eine Million Liter Treibstoff. Die Regierung gehe davon aus, dass allein der Benzinschmuggel nach Kolumbien und in die Karibik eine Summe von jährlich 18 Milliarden Dollar erreiche.

Venezuela ist das Land mit den vermutlich weltweit größten Ölreserven. Doch ein gesunkener Ölpreis und jahrzehntelang aufgeschobene Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten der Förderanlagen haben dazu geführt, dass die täglich geförderte Ölmenge in Venezuela den niedrigsten Stand seit 50 Jahren erreicht hat.