Die Massenflucht aus Venezuela bedroht nach Einschätzung der Vereinten Nationen mittlerweile die Stabilität der Nachbarstaaten. Der Exodus aus dem Land, das unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet, wachse sich zu einer überregionalen Flüchtlingskrise aus, wie es sie bereits im Mittelmeerraum gebe, erklärte die Organisation für Migration in Genf. Die zweite große UN-Flüchtlingsorganisation, das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, appellierte an die lateinamerikanischen Länder, Menschen aus Venezuela weiter Zuflucht zu bieten. Seit 2015 haben schon 1,6 Millionen Menschen das Land verlassen.

Ecuador und Peru haben bereits ihre Grenzkontrollen verschärft, um die Zahl venezolanischer Flüchtlinge zu begrenzen. In Brasilien hat ein aufgebrachter Mob Hunderte Flüchtlinge über die Grenze zurück nach Venezuela getrieben.

Angesichts Hunderttausender Flüchtlinge aus Venezuela, die inzwischen in Kolumbien leben, hat der Präsident des Landes, Iván Duque, einen Regierungswechsel im Nachbarland gefordert. "Solange die Diktatur nicht endet, wird auch die Migration nicht aufhören", sagte der Staatschef im Interview mit der britischen BBC. "Wir müssen das Regime isolieren und freie Wahlen fordern, damit die Menschen wieder Hoffnung schöpfen und in den kommenden Jahren nach Venezuela zurückkehren."

Venezuela leidet unter einer horrenden Inflation und politischer Instabilität. Der Rückgang der Ölpreise hat zu einem Einbruch der Staatseinnahmen geführt. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge schrumpfte die Wirtschaft des Landes 2017 um zwölf Prozent. Für dieses Jahr sagt der IWF eine Inflation von einer Million Prozent in Venezuela voraus. Präsident Nicolás Maduro hatte vor Kurzem umfassende Reformen angekündigt. Die Opposition wirft ihm den Aufbau einer Diktatur, Misswirtschaft und Korruption vor. Maduro sieht sein Land als Opfer eines von den USA angezettelten Wirtschaftskrieges.