Nach den Vorfällen in Chemnitz sieht einer Umfrage zufolge die Mehrheit der Deutschen die Demokratie durch Rechtsextreme gefährdet. Laut ZDF-Politbarometer nehmen 76 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine sehr große oder große Bedrohung von rechts wahr. Dieser hohe Wert sei bei Anhängern aller Parteien festzustellen – außer bei denen der AfD. Dort sehe nur nur jeder Dritte eine solche Gefahr.

Das Politbarometer fragte die Teilnehmer außerdem nach ihrer Wahlentscheidung, sollte am Sonntag ein neuer Bundestag bestimmt werden. Laut Umfrageergebnissen kommt die AfD dabei auf 17 Prozent und erreicht damit ihren bislang besten Wert im Politbarometer

Die Union liegt unverändert bei 31 Prozent, die SPD bei 18 Prozent. Die Grünen verlieren einen Prozentpunkt und liegen bei 14 Prozent, Linkspartei und FDP kämen bei einer Wahl am Sonntag auf acht Prozent. Neben einer großen Koalition hätte damit von den als möglich angesehen Bündnissen nur eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP eine parlamentarische Mehrheit.

Die Hälfte der Deutschen sieht sich im Alter gut abgesichert

Auch nach dem von der großen Koalition verabschiedeten Rentenpaket sehen 89 Prozent aller Befragten die Rentenversicherung vor großen bis sehr großen Probleme. Laut Politbarometer fühlen sich 52 der Befragten gut abgesichert, 46 Prozent sehen sich nicht so gut bis überhaupt nicht gut versorgt. Je höher das Alter der Befragten ist, desto besser beurteilen sie ihre eigene Situation: So sprechen 75 Prozent der Befragten ab 70 Jahren von einer guten bis sehr guten finanziellen Absicherung, während das nur 32 Prozent der unter 30-Jährigen im Alter erwarten.

Für die Umfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen in dieser Woche insgesamt 1.216 Wahlberechtigte.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.