Bei einem neuen Unglück im Mittelmeer könnten mehr als 100 Bootsflüchtlinge ums Leben gekommen sein. Das berichteten nach Libyen gebrachte Überlebende der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Das Unglück ereignete sich demnach bereits Anfang September: Die 276 Überlebenden seien am 2. September von der libyschen Küstenwache gerettet und zurück in das Bürgerkriegsland gebracht worden.

Die Menschen brachen auf zwei Schlauchbooten am 1. September in Libyen auf, wie Ärzte ohne Grenzen unter Berufung auf die Aussagen der Überlebenden mitteilte. Die Flüchtlinge stammten demnach aus dem Sudan, Mali, Niger, Kamerun, Ghana, Libyen, Algerien und Ägypten.

Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Weniger Menschen flüchten in die EU, dennoch fordern Politiker verschärfte Maßnahmen an den Grenzen. Flüchtlingshelfer warnen vor noch mehr Toten. Ein Überblick im Video © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty

Den Überlebenden zufolge versagte zunächst der Motor des einen Bootes. Das andere habe seine Fahrt zunächst fortgesetzt, dann sei die Luft entwichen. "An Bord waren 165 Erwachsene und 20 Kinder", berichtete der Überlebende laut MSF. Nur einige wenige Migranten hätten Rettungswesten angehabt. 

Den Aussagen zufolge haben Helfer später noch weitere Westen aus der Luft abgeworfen. Das Boot sei zu dem Zeitpunkt bereits gekentert gewesen. Den Überlebendenberichten zufolge konnten nur 55 Insassen dieses Bootes gerettet werden.

In Libyen kämpfen seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 rivalisierende Gruppen um die Vorherrschaft. Der Einfluss der international anerkannten Regierung reicht kaum über Tripolis hinaus. Libyen hat sich zum wichtigsten Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa entwickelt. Hilfsorganisationen kritisieren nicht erst seit dem Wiederaufflammen von Kämpfen in Libyen, dass Flüchtlinge dorthin zurückgebracht werden.

Das Mittelmeer zu überqueren ist für Migranten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration deutlich gefährlicher geworden. Mehr als 1.560 Migranten kamen in diesem Jahr bereits auf der zentralen Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien ums Leben oder werden vermisst.