Zeitgleich zu den Ausschreitungen in Chemnitz am 27. August sollen Neonazis ein jüdisches Restaurant in Chemnitz angegriffen haben. Gegen 21.40 Uhr hätten etwa zwölf schwarz gekleidete Angreifer das Lokal Schalom mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr beworfen und "Hau ab aus Deutschland, du Judensau" gerufen, berichtet die Welt. Sie hätten eine Fensterscheibe zerstört und den Eigentümer des Restaurants, Uwe Dziuballa, mit einem Stein an der Schulter verletzt. Das Landeskriminalamt Sachsen bestätigte der Zeitung eine entsprechende Anzeige des Wirts. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte demnach, dass "derzeit eine politisch motivierte Tat mit einem antisemitischen Hintergrund naheliege".

Dziuballa berichtet, nach einem Notruf sei die Polizei schnell vor Ort gewesen, habe jedoch erst Tage später die Angriffsgegenstände sichergestellt und die Schäden aufgenommen. Bis dahin waren Polizei und Innenministerium nach Informationen der Welt nur von "versuchter Sachbeschädigung" ausgegangen. Dziuballa ist in den vergangenen Jahren immer wieder antisemitisch angegriffen worden: Man habe Hakenkreuze an seine Fassaden geschmiert und Schweinsköpfe vor dem Restaurant platziert. Auch nach dem jüngsten Angriff bleibt das Lokal geöffnet.

Der Beauftragte gegen Antisemitismus der Bundesregierung, Felix Klein, sagte der Welt am Sonntag: "Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun. Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die Dreißigerjahre wachgerufen."