Drei Projekte, die sich in ihrer Nachbarschaft besonders für ein offenes, solidarisches und demokratisches Miteinander engagieren, sind in Berlin mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis geehrt worden. Die Auszeichnung wurde zum zweiten Mal verliehen, bereitgestellt wird der Preis von der Stiftung nebenan.de.

Den ersten Platz belegte das Projekt Tausche Bildung für Wohnen aus Duisburg-Marxloh. Sogenannte Bildungspaten können bei dieser Initiative benachteiligte Kinder fördern und im Gegenzug kostenfrei im Viertel wohnen, wie die Stiftung in einer Pressemitteilung erläuterte. Das Preisgeld für den ersten Platz betrug 10.000 Euro.

Der zweite Platz und 7.000 Euro gingen an das Projekt Demokratiebahnhof in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. Dieses Jugend- und Kulturzentrum trage zur Entwicklung einer lebendigen Zivilgesellschaft bei und ermutige junge Menschen, ihre Fähigkeiten im Interesse des Gemeinwohls einzubringen, hieß es in der Begründung der Jury. Der Ort Anklam war in der Vergangenheit durch rechtsextremistische Strukturen aufgefallen.

Zum dritten Bundessieger kürte die Stiftung die Initiative Nauwieser Nachbarn aus Saarbrücken. Das Picknick mit Anwohnern stärke die lokale Gemeinschaft. Mit dem Lob der Jury gab es dafür auch ein Preisgeld von 5.000 Euro.

Aus mehr als 1.000 Bewerbungen hatte die Stiftung 16 Landessieger ausgewählt, die jeweils 2.000 Euro erhielten. Aus dieser Auswahl wurden die drei Bundessieger ermittelt. Der Verein Mein Ickern aus dem Ruhrgebiet ging bei einem Online-Voting als Publikumspreisträger hervor und wurde mit 5.000 Euro geehrt. Insgesamt ist der Deutsche Nachbarschaftspreis mit 50.000 Euro dotiert.

Die Schirmherrschaft für den Preis hatte ursprünglich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) getragen. Der hatte sich aber an seinem 69. Geburtstag über die Abschiebung von 69 Flüchtlingen geäußert und war dafür von vielen Seiten kritisiert worden. Auch die nebenan.de-Stiftung hatte sich in einer Mitteilung öffentlich von den Aussagen Seehofers distanziert. Diese seien mit ihren "Grundsätzen der Toleranz, Mitmenschlichkeit und Offenheit nicht vereinbar", schrieben die Organisatorinnen und Organisatoren. Zuvor hatten zwei Projekte – die Berliner Initiative Moabit hilft und der Kölner Verein wielebenwir – ihre Nominierung für den Preis mit Verweis auf Seehofer abgelehnt. Anfang August hatte Seehofer daraufhin bekanntgegeben, er werde die Schirmherrschaft abgeben.

Maria Exner, stellvertretende Chefredakteurin von ZEIT ONLINE, war Mitglied der Bundesjury des Deutschen Nachbarschaftspreises.