Ein Berufungsgericht in Ankara hat eine mehrjährige Haftstrafe gegen den türkischen Oppositionsabgeordneten Enis Berberoğlu bestätigt. Zugleich entschied das Gericht, dass Berberoğlu aus der Untersuchungshaft entlassen werden soll, solange er Abgeordneter ist. Seine Haftstrafe müsse Berberoğlu erst nach Ende seines Mandats antreten. Der Politiker der Mitte-links-Partei CHP gehört zu mehr als 130 Parlamentarierinnen und Parlamentariern, deren Immunität im Jahr 2016 aufgehoben worden war. Von 2009 bis 2014 war er Chefredakteur der Zeitung Hürriyet.

Berberoğlu war bei den Parlamentswahlen am 24. Juni als Abgeordneter für die CHP für fünf Jahre wiedergewählt worden. Im Februar wurde er wegen Geheimnisverrats zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Dem Abgeordneten wird vorgeworfen, der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet geheime Informationen zugespielt zu haben, die türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien im Jahr 2014 belegen sollen. Der Bericht richtete sich direkt gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Berberoğlu war bereits im Juni 2017 wegen der Vorwürfe zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hatte das Urteil jedoch aufgehoben, über den Fall musste deshalb neu entschieden werden. Die Verurteilung des CHP-Abgeordneten hatte große Empörung ausgelöst. Der Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu initiierte im Sommer 2017 aus Protest einen sogenannten Gerechtigkeitsmarsch von der Hauptstadt Ankara in das mehr als 400 Kilometer entfernte Istanbul.

Türkische Medien berichten, Berberoğlus Anwalt wolle nun vor das Verfassungsgericht ziehen.