Der Vatikan und China haben ein vorläufiges Abkommen zur Ernennung von Bischöfen geschlossen und damit einen jahrzehntelangen Streit beigelegt. Erstmals seit mehr als 60 Jahren können Bischöfe in China nun sowohl von Rom als auch von der kommunistischen Führung in Peking anerkannt werden.

Normalerweise ist die Bischofsernennung ein Recht, das allein dem Papst zusteht. Die chinesische Führung lehnt aber jeden Einfluss von Außen ab. Die Grenzen der Religionsfreiheit sind in China eng gezogen, Gemeinden werden vom staatlichen Religionsamt überwacht. Deshalb hat sich in dem Land neben der offiziellen Kirche auch eine Untergrundkirche gebildet.

Jahrzehntelang hatte der Vatikan jene Bischöfe, die von China ernannt wurden, nicht anerkannt. Mit dem Abkommen werden nun acht Bischöfe anerkannt, die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden waren. Um sie und das zukünftige Prozedere wurde seit Monaten verhandelt.

Das Abkommen erlaube es Gläubigen, Bischöfe zu haben, die gleichzeitig von den chinesischen Behörden und vom Vatikan anerkannt werden, sagte Papstsprecher Greg Birke. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin rief die Katholiken in China zur Versöhnung auf. 

"Es wird nicht helfen"

Ein Sprecher der Hongkonger Diözese zeigte sich allerdings enttäuscht von dem Abkommen. "Es wird nur schädlich sein und der Kirche in China und in der Welt nicht helfen", sagte Porson Chan, Vorsitzender der Gerechtigkeits- und Friedenskommission des Bistums. Die Kommission verwies auf die anhaltende Unterdrückung der Kirche in China und den zwangsweisen Abriss von Kirchen. Das Bistum in Hongkong ist freier als die Kirche im Rest des Landes und kann unter anderem seine Bischöfe selbst ernennen.  

Papst Franziskus hat sich noch nicht persönlich zu der Übereinkunft geäußert. In einer Rede in Litauen sprach Franziskus sich jedoch für Versöhnung aus. Überall in der Welt würden derzeit "die Stimmen, die Spaltung und Konfrontation säen, immer lauter", warnte Franziskus in der Hauptstadt Vilnius. Man müsse Ausgrenzung mit "Toleranz, Gastfreundschaft, Respekt und Solidarität" begegnen.

China und der Vatikan haben ihre diplomatischen Beziehungen 1951 unterbrochen. Neben dem Dissens um die Ernennung der Bischöfe war auch Taiwan ein Grund für den Bruch: Peking betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz, die eines Tages wieder mit dem Festland vereinigt werden soll. Der Vatikan dagegen erkennt Taiwan an.