Hubertus Knabe wird die Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen nicht länger leiten. Dem 59-jährigen Historiker werde ordentlich gekündigt, teilte der Stiftungsrat mit. Zudem werde dem mit Belästigungsvorwürfen konfrontierten Vizedirektor Helmuth F. "schnellstmöglich und zum nächstzulässigen Termin ordentlich gekündigt". Der Beschluss des Rates unter Vorsitz von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sei einstimmig gefallen.

Knabe werde "mit Blick auf die internen Ermittlungen vorläufig von seinen Dienstpflichten freigestellt", hieß es weiter. Der Stiftungsrat habe "kein Vertrauen, dass er den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann".

Sieben ehemalige Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte werfen F. vor, sie sexuell belästigt zu haben. Sie hatten sich an Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gewandt und über "eine erschreckende Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster" bis hin zu sexueller Belästigung berichtet. Die Frauen sollen von 2011 bis 2018 als wissenschaftliche Volontärinnen, Freiwillige im Sozialen Jahr und Praktikantinnen in der Gedenkstätte gearbeitet haben.

Laut den Berichten hat eine Anwältin im Auftrag der Senatskulturverwaltung ein Gutachten zu den Vorwürfen erstellt. Dieses belaste nicht nur F., sondern auch Knabe. Demnach sei von Führungsversagen die Rede und von aktivem Wegschauen. Knabe hatte öffentlich nach Bekanntwerden der Vorwürfe in einer Pressemitteilung die möglichen Übergriffe verurteilt: "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go", hieß es darin. Die Vorwürfe müssten ohne Ansehen der Person aufgeklärt werden.

Seit Bekanntwerden der Fälle in der vergangenen Woche sollen sich weitere Betroffene gemeldet haben, schreibt der Tagesspiegel.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen befindet sich im berüchtigten früheren Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit (Stasi) der DDR, das diese von 1951 bis 1989 betrieb. In der Anstalt waren insbesondere politische Gefangene inhaftiert. Viele wurden körperlich und seelisch gefoltert.