Die Räumung des Hambacher Forstes in Nordrhein-Westfalen steht nach Einschätzung der Polizei vor dem Abschluss. "Wir sind im Endspurt", sagte eine Sprecherin in Aachen. Die Beamten kämen gut voran, die Lage sei ruhig. Die Polizei hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 75 Baumhäuser und andere Konstruktionen abgebaut, die Gegner einer Rodung des Waldgebiets errichtet hatten.

Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Waldes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können. In dem Wald leben seit Jahren Umweltaktivisten, die gegen das Vorhaben protestieren. Die Polizei hatte vor gut zwei Wochen mit der Räumung begonnen.

Der Energiekonzern zeigte sich weiter unbeeindruckt von den Protesten. "Es gibt keine Chance, den Wald stehen zu lassen", sagte RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz dem Kölner Stadt-Anzeiger. Eine Lösung, bei der ein Teil des Forsts stehen bleibe, sei technisch unmöglich. "Wir brauchen die Erdmassen unter dem Restwald, um die Böschungen stabil zu halten", sagte Schmitz. "Der Hambacher Forst ist nicht zu retten, egal, was die Kohlekommission entscheidet." Das Gremium soll bis Ende 2018 eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung entwickeln und Wege für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen aufzeigen.

Greenpeace warf dem RWE-Chef vor, ihm sei jedes Gespür für die Brisanz des Konflikts abhandengekommen. "Wenn Woche für Woche weniger Menschen akzeptieren, dass ein wertvoller Wald für klimaschädliche Braunkohle zerstört werden soll, dann muss RWE bereit sein, über Alternativen zu reden", sagte Geschäftsführer Martin Kaiser, der selbst Mitglied der Kohlekommission ist.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wertete die Räumung als überfällig. Es sei ein Fehler gewesen, die illegal errichteten Baumhäuser im Hambacher Forst sechs Jahre lang zu dulden, sagte er der taz. "Egal, welche Position man zum Braunkohleausstieg hat, ein solcher rechtswidriger Zustand ist falsch. Der wird jetzt beseitigt."